Messsucherkamera: Aufbau ohne Spiegel und ohne Prisma
Eine Messsucherkamera stellt nicht durch das Objektiv scharf, sondern über einen eigenen optischen Sucher mit eingebautem Entfernungsmesser. Das 3D-Modell weiter unten zerlegt eine Kamera dieser Art nach den Maßen der Leica M11 in ihre Bauteile. Wer ein Teil anklickt, holt es nah heran und sieht seine Einzelheiten samt einer kurzen Beschreibung.
Die M11 kam 2022 auf den Markt und wird bis heute gebaut. Ihr Gehäuse misst 139 × 38,5 × 80 Millimeter und ist damit kaum dicker als ein Taschenbuch. Die schwarze Ausführung wiegt mit Akku 530 Gramm. Weil Spiegelkasten und Prisma fehlen, bleibt eine Messsucherkamera flach, und die Optik sitzt dicht vor dem Sensor.
Die Messsucherkamera in zwölf Teilen
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- Das Objektiv
Ein kompaktes 35-Millimeter-Objektiv sitzt am M-Bajonett. Es hat keinen Autofokus: Scharf gestellt wird mit dem Fokushebel unten am Ring. Dabei schiebt ein Kurvenring an der Rückseite die Rolle des Entfernungsmessers, und im Sucher wandern die beiden Bilder zur Deckung.
Brennweite: 35 mm · Fokus: manuell · Bajonett: Leica M
- Frontlinse: Die vergütete erste Linse; das Objektiv bleibt kurz und lichtstark.
- Entfernungsring: Dreht die Schneckenführung, das Objektiv fährt vor oder zurück.
- Fokushebel: Mit der Fingerspitze lässt sich die Entfernung blind einstellen.
- Blendenring: Stellt die Blende von Hand, mit spürbaren Rasten.
- Kurvenring: Überträgt die Entfernung mechanisch an den Messsucher.
- Das M-Bajonett
Das M-Bajonett hat ein Auflagemaß von nur 27,8 Millimetern. Ein optischer Codeleser erkennt an sechs Feldern am Objektiv, welches Modell angesetzt ist. Die Kamera blendet daraufhin den passenden Leuchtrahmen ein und speichert die Brennweite in den Bilddaten.
Auflagemaß: 27,8 mm · Objektiverkennung: 6-Bit-Code
- Bajonettklauen: Halten das Objektiv nach einer kurzen Drehung.
- Codeleser: Liest den schwarz-weißen Code am Objektiv.
- Entriegelungsknopf: Gedrückt halten, um das Objektiv abzunehmen.
- Ansetzpunkt: Roter Punkt für die richtige Stellung beim Ansetzen.
- Der Entfernungsmesser
Hinter dem kleinen Fenster sitzt ein Schwenkspiegel. Über eine Rolle und ein Gestänge folgt er dem Kurvenring des Objektivs. Im Sucher erscheint sein Bild als helles Feld in der Mitte. Liegen das Bild aus dem kleinen und das aus dem großen Fenster deckungsgleich, ist das Motiv scharf: Das Prinzip ist eine Dreiecksmessung über die Basis zwischen beiden Fenstern.
Prinzip: Triangulation · Anzeige: Mischbild in der Suchermitte
- Rolle: Liegt am Kurvenring des Objektivs an und folgt jeder Fokusbewegung.
- Übertragungshebel: Gibt die Bewegung der Rolle nach oben weiter.
- Gestänge: Verbindet den Hebel mit dem Schwenkspiegel.
- Schwenkspiegel: Dreht sich minimal und verschiebt so das zweite Bild.
- Messfenster: Das zweite Auge der Kamera, am anderen Ende der Messbasis.
- Der Leuchtrahmensucher
Der optische Sucher vergrößert 0,73-fach und zeigt mehr als das Bildfeld. Leuchtrahmen markieren den Ausschnitt, paarweise für 35 und 135, 28 und 90 oder 50 und 75 Millimeter. Ein Strahlteiler blendet das Bild des Entfernungsmessers ein. Weil der Sucher neben dem Objektiv liegt, entsteht bei nahen Motiven eine kleine Parallaxe.
Vergrößerung: 0,73× · Rahmenpaare: 35/135, 28/90, 50/75
- Sucherfenster: Großes Fenster, durch das das Auge die Szene direkt sieht.
- Strahlteiler: Spiegelt das Bild des Entfernungsmessers in die Suchermitte.
- Leuchtrahmen: LEDs zeichnen die Rahmen passend zum angesetzten Objektiv.
- Okular: Hier blickt das Auge in den Sucher.
- Der Schlitzverschluss
Vor dem Sensor sitzt ein leiser Schlitzverschluss. Mechanisch reicht er bis 1/4000 Sekunde, elektronisch bis 1/16000 Sekunde. Ohne Spiegel klingt eine Messsucherkamera beim Auslösen deutlich leiser als eine Spiegelreflexkamera.
Mechanisch: bis 1/4000 s · Elektronisch: bis 1/16000 s
- Lamellen: Zwei Vorhänge aus dünnen Lamellen.
- Antrieb: Spannt und löst die Vorhänge.
- Der Bildsensor
Der Vollformatsensor löst bis zu 60 Megapixel auf. Wahlweise speichert die Kamera auch 36 oder 18 Megapixel, dann fasst sie Pixel zusammen. Sein Filterglas ist sehr dünn, weil Weitwinkelobjektive am kurzen Bajonett das Licht steil auf die Ränder werfen.
Format: Vollformat · Auflösung: 60, 36 oder 18 MP
- Sensorfläche: Bis zu 60 Millionen Pixel.
- Filterglas: Dünner Filterstapel für schräg einfallendes Licht.
- Trägerplatine: Hält den Sensor exakt in der Bildebene.
- Die Hauptplatine
Die Platine trägt Bildprozessor und Speicher. Neben dem SD-Fach hat die Kamera 64 GB internen Speicher, auf den sie parallel oder allein schreiben kann.
Interner Speicher: 64 GB
- Bildprozessor: Verarbeitet die Sensordaten zu Bildern.
- Interner Speicher: 64 GB direkt auf der Platine.
- Kontakte: Verbindungen zu Sensor, Display und Akku.
- Die Deckkappe
Die Deckkappe trägt das Zeitenrad, den Auslöser mit Hauptschalter, ein eigenes ISO-Rad und den Zubehörschuh. Alle wichtigen Werte lassen sich so ohne Menü einstellen.
Räder: Zeit und ISO · Zubehör: Zubehörschuh
- Zeitenrad: Belichtungszeit oder Automatik direkt am Rad.
- ISO-Rad: Zum Ablesen herausziehen und drehen.
- Auslöser: Mit Gewinde für einen Drahtauslöser.
- Hauptschalter: Hebel rund um den Auslöser.
- Zubehörschuh: Für Blitz oder Aufstecksucher.
- Die Rückwand
Auf der Rückwand liegen das 2,95-Zoll-Display, drei Tasten, ein Steuerkreuz und ein Daumenrad. Das Okular bleibt frei, damit das Auge den Sucher nutzen kann.
Display: 2,95 Zoll · Tasten: 3 plus Steuerkreuz
- Display: Zeigt Menüs, Bilder und auf Wunsch das Livebild.
- Tasten: Wiedergabe, Funktion und Menü.
- Steuerkreuz: Navigiert durch Menüs und Bilder.
- Daumenrad: Stellt Belichtungskorrektur oder Vergrößerung ein.
- Okularausschnitt: Blick in den Messsucher.
- Der Akku
Der Akku wird direkt von unten eingesetzt; sein Ende bildet zugleich den Bodendeckel. Eine abnehmbare Bodenplatte wie bei früheren Modellen gibt es nicht mehr. Mit Akku wiegt die schwarze Kamera rund 530 Gramm.
Einsetzen: von unten · Gewicht: 530 g mit Akku
- Akkuzellen: Lithium-Ionen-Zellen im flachen Gehäuse.
- Bodendeckel: Das Akkuende schließt den Kameraboden.
- Stativgewinde: Gewinde für Stativ oder Griff.
- Verriegelung: Sichert den Akku im Schacht.
- Das SD-Kartenfach
Neben dem Akkuschacht liegt das Fach für eine SD-Karte. Es ist erst zugänglich, wenn der Akku entnommen ist.
Karte: SD
- SD-Karte: Speicher neben dem internen Speicher.
- Kartenschacht: Federnder Schacht mit Kontakten.
- Das Gehäuse
Das Gehäuse misst 139 × 38,5 × 80 Millimeter und ist mit 38,5 Millimetern Tiefe sehr flach. Die abgerundeten Enden und die Vulkanit-Belederung prägen die Form. Vorn liegen nur die Bajonettöffnung, die zwei Sucherfenster und eine Funktionstaste.
Maße: 139 × 38,5 × 80 mm · Tiefe: 38,5 mm
- Belederung: Griffiger Bezug rund um die Front.
- Bajonettöffnung: Licht fällt ohne Spiegel direkt auf den Sensor.
- Funktionstaste: Frei belegbare Taste an der Front.
- Trageriemenöse: Für den Kameragurt.
Das Prinzip des Messsuchers
Der Messsucher arbeitet mit zwei Fenstern an der Vorderseite. Durch das große Sucherfenster sieht das Auge das Motiv, durch ein kleineres Messfenster daneben gelangt ein zweites Bild ins Innere. Der Abstand zwischen beiden Fenstern heißt Basislänge. Je größer sie ausfällt, desto genauer lässt sich die Entfernung zum Motiv auch auf größere Distanz bestimmen.
In der Mitte des Sucherbilds erscheint ein helles Messfeld, in dem sich beide Bilder überlagern. Steht das Objektiv falsch, sind Konturen doppelt oder gegeneinander versetzt zu sehen. Dreht der Fotograf am Fokusring, wandern die Bilder aufeinander zu, bis sie deckungsgleich werden. Dann stimmt die Entfernung, und das Motiv ist scharf eingestellt.
Mechanik: Kurve, Rolle und Schwenkspiegel
Hinter dieser Anzeige steckt Triangulation. Jedes M-Objektiv besitzt am hinteren Ende eine Steuerkurve, die sich beim Fokussieren vor- und zurückbewegt. Sie drückt auf eine Rolle an einem Hebel im Bajonett, und dieser Hebel schwenkt einen kleinen Spiegel oder ein Prisma hinter dem Messfenster. So verschiebt sich das zweite Bild im Sucher.
Diese Mechanik muss äußerst genau justiert sein, denn schon winzige Abweichungen führen zu Fehlfokus, besonders bei lichtstarken Objektiven mit offener Blende. Beim Aufbau einer Messsucherkamera gehört die Justage deshalb zu den aufwendigsten und heikelsten Arbeitsschritten in der Werkstatt. Das Modell zeigt Hebel und Umlenkoptik als eigene Baugruppe, die zwischen Bajonett und Sucherfenster liegt.
Leuchtrahmen und Parallaxe im Messsucher
Der Sucher vergrößert 0,73-fach und blendet helle Rahmen ein, die den Bildausschnitt markieren. Beim Ansetzen eines Objektivs erscheint automatisch das passende Paar: 35 und 135, 28 und 90 oder 50 und 75 Millimeter. Ringsum bleibt Raum außerhalb des Rahmens sichtbar, sodass Personen schon erkennbar sind, bevor sie ins Bild treten und den Ausschnitt kreuzen.
Weil der Sucher seitlich über dem Objektiv liegt, sieht er das Motiv aus einem leicht anderen Winkel. Diese Parallaxe fällt bei fernen Motiven kaum ins Gewicht, im Nahbereich aber deutlich. Die Leuchtrahmen wandern deshalb beim Fokussieren mit und gleichen den Versatz teilweise aus. Für Makroaufnahmen eignet sich das System trotzdem kaum.
Bajonett, Sensor und Verschluss der Messsucherkamera
Das M-Bajonett hat ein Auflagemaß von nur 27,8 Millimetern. Da kein Spiegel schwenken muss, können Objektive weit ins Gehäuse ragen. Vor allem Weitwinkel profitieren davon, denn ihre Hinterlinse darf nah am Sensor sitzen, ganz ohne aufwendige Retrofokus-Konstruktion. Solche Objektive bleiben dadurch klein, leicht und bemerkenswert scharf bis in die Ecken.
Der Vollformatsensor löst 60 Megapixel auf. Alternativ lässt sich die Auflösung auf 36 oder 18 Megapixel herabsetzen, wobei stets die ganze Sensorfläche genutzt wird und die Dateien kleiner werden. Davor sitzt ein mechanischer Schlitzverschluss mit Zeiten bis 1/4000 Sekunde, elektronisch erreicht die Kamera sogar 1/16000 Sekunde bei völliger Stille und ohne jede Vibration.
Auch der mechanische Verschluss arbeitet ausgesprochen leise. Ohne Spiegelschlag entsteht beim Auslösen kaum Geräusch und kaum Erschütterung, was Aufnahmen aus der Hand bei längeren Zeiten erleichtert. In Konzerten, Kirchen oder auf der Straße fällt eine Messsucherkamera dadurch weniger auf als eine Kamera mit klappendem Spiegel und lautem, deutlich hörbarem Verschlussgeräusch im Raum.
Akku, Speicher und Bedienung im Aufbau
Lange Zeit musste bei M-Kameras die Bodenplatte abgenommen werden, um an Akku und Karte zu gelangen. Die M11 verzichtet darauf: Der Akku wird direkt von unten eingesetzt und rastet ein. Daneben liegt das Fach für eine SD-Karte, zusätzlich stehen 64 Gigabyte interner Speicher bereit. Das vereinfacht den Aufbau des Bodens erheblich.
Auf der Rückseite sitzt ein Monitor mit 2,95 Zoll Diagonale. Er zeigt Menüs und fertige Bilder, auf Wunsch auch ein Live-Bild vom Sensor. Die wichtigsten Einstellungen bleiben dennoch mechanisch: Zeitenrad auf der Deckkappe, Blendenring am Objektiv und Fokusring mit Hebel. Der Messsucher bleibt das zentrale Werkzeug beim Fotografieren mit dieser Kamera.
