Festbrennweite und Zoomobjektiv im Grundsatz
Eine Festbrennweite besitzt einen einzigen, unveränderlichen Bildwinkel. Wer den Ausschnitt ändern will, muss den Standort wechseln. Ein Zoomobjektiv verschiebt dagegen bewegliche Linsengruppen und deckt so einen ganzen Brennweitenbereich ab, etwa 24–70 mm. Beide Bauarten haben ihre Berechtigung, unterscheiden sich aber deutlich in Lichtstärke, Gewicht, Preis und in der Art, wie man mit ihnen arbeitet.
Die feste Brennweite gilt traditionell als Schule des Sehens. Weil der Zoomring fehlt, entscheidet man über Nähe, Höhe und Blickwinkel mit dem Körper und lernt dabei, wie eine Brennweite den Raum zeigt. Nach einigen Wochen kann man den Bildausschnitt vorhersagen, bevor die Kamera ans Auge kommt, und reagiert dadurch schneller auf Situationen.
Lichtstärke und Blende als Hauptvorteil
Der wichtigste technische Vorteil ist die Öffnung. Lichtstarke Standardzooms enden meist bei f/2,8, während eine Festbrennweite mit f/1,8 oder f/1,4 alltäglich ist. Zwischen f/2,8 und f/1,4 liegen zwei Blendenstufen, also die vierfache Lichtmenge. In einem dunklen Innenraum bedeutet das 1/125 s statt 1/30 s bei gleichem ISO-Wert und damit deutlich weniger Bewegungsunschärfe.
Die große Öffnung erlaubt außerdem eine geringe Schärfentiefe. Bei einem 50-mm-Objektiv mit f/1,8 und drei Metern Abstand ist an Vollformat nur ein Bereich von rund 40 Zentimetern scharf, der Hintergrund löst sich deutlich auf. Ein häufiger Fehler besteht darin, Porträts grundsätzlich bei Offenblende aufzunehmen, wodurch bei geringem Abstand oft nur ein Auge scharf wird.
Bei wenig Licht hilft die Öffnung auch dem Autofokus. Spiegellose Kameras messen in der Regel mit offener Blende und finden das Motiv bei f/1,8 schneller und sicherer als bei f/4. Wer abends ohne Blitz fotografiert, wählt zuerst die längste noch verwacklungsfreie Zeit und öffnet dann so weit, bis die Belichtung bei vertretbarem ISO-Wert passt.
Warum 35 mm und 50 mm so verbreitet sind
Eine Brennweite von 50 mm liegt nahe an der Diagonale des Kleinbildformats von rund 43 mm und gilt deshalb als Normalobjektiv. Ihr Bildwinkel von etwa 47 Grad bildet Proportionen unaufdringlich ab, weshalb 50 mm für Porträts mit Umgebung, Stillleben und Details beliebt sind. Seit der Frühzeit des Kleinbilds gehörte ein solches Objektiv zur Grundausstattung jeder Kamera.
Mit 35 mm wird das Bild etwas weiter, der Bildwinkel beträgt rund 63 Grad. Damit passt in engen Gassen oder in einer Küche mehr Umgebung ins Bild, ohne dass Gesichter am Rand so stark gedehnt werden wie mit 24 mm. Reportagefotografen schätzen diese Brennweite, weil sie Nähe zum Geschehen erlaubt und trotzdem den Zusammenhang einer Szene zeigt.
Größe, Gewicht und Bildqualität der Festbrennweite
Eine Festbrennweite mit f/1,8 wiegt häufig zwischen 150 und 400 Gramm, ein Standardzoom mit f/2,8 dagegen oft 700 bis 900 Gramm. Der Unterschied verändert das Fotografieren: Eine kleine Kamera mit flachem Objektiv fällt auf der Straße weniger auf, passt in die Jackentasche und wird dadurch öfter mitgenommen. Für Reisen ist das ein praktisches Argument.
Optisch profitieren feste Brennweiten von weniger Linsen und einer Konstruktion für genau einen Bildwinkel. Verzeichnung, Streulicht und Randabfall lassen sich dadurch leichter beherrschen. Moderne Zooms haben den Abstand allerdings verkleinert, und abgeblendet auf Blende 8 sind die Unterschiede oft gering. Den deutlichsten Gewinn zeigt die Festbrennweite bei offener Blende und bei Gegenlicht.
Brennweite und Blende an APS-C und MFT umrechnen
An kleineren Sensoren verengt sich der Bildwinkel. Mit dem Cropfaktor 1,5 der meisten APS-C-Kameras zeigt ein 35-mm-Objektiv etwa den Ausschnitt eines 52-mm-Objektivs an Vollformat, an Canon-APS-C mit Faktor 1,6 rund 56 mm. Ein 50-mm-Objektiv wird an APS-C zum kurzen Tele mit dem Bildwinkel von rund 75 mm, eine klassische Porträtbrennweite.
Micro Four Thirds hat den Cropfaktor 2,0, ein 25-mm-Objektiv entspricht dort im Bildwinkel einem Normalobjektiv mit 50 mm. Für die Schärfentiefe wird auch die Blendenzahl mit dem Faktor multipliziert: Ein 25-mm-Objektiv mit f/1,7 zeichnet bei gleichem Ausschnitt etwa so unscharfe Hintergründe wie 50 mm mit f/3,4 an Vollformat. Die Belichtung bleibt unverändert.
Wann ein Zoomobjektiv die bessere Wahl bleibt
Bei Hochzeiten, Veranstaltungen und Sport ändern sich Abstand und Motiv ständig, und ein Objektivwechsel kostet Momente. Hier ist ein Zoomobjektiv mit 24–70 mm oder 70–200 mm schlicht schneller. Auch in staubiger Umgebung, am Strand oder im Regen spricht vieles dafür, das Bajonett geschlossen zu halten und Brennweiten über den Zoomring statt über Wechsel zu wählen.
Ein guter Kompromiss besteht aus einem Standardzoom für vielseitige Tage und einer einzelnen Festbrennweite für Abende, Porträts und bewusstes Arbeiten. Wer herausfinden möchte, welche Brennweite zur eigenen Sicht passt, klebt den Zoomring eine Woche lang auf 35 mm oder auf 50 mm fest und vergleicht anschließend die Trefferquote beider Serien.
