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Grundlagen

Blende in der Fotografie: Blendenzahl, Lichtmenge und Bildwirkung

Vom Verhältnis zwischen Brennweite und Eintrittspupille bis zur Beugung bei f/22: wie die Öffnung im Objektiv Lichtmenge, Schärfebereich und Hintergrund formt.

Blick in ein Objektiv mit halb geschlossenen, gerundeten Blendenlamellen auf dunklem Samt (mit AI erstelltes Bild) AI
Mit AI erstelltes Bild

Was die Blende in der Fotografie regelt

Die Blende ist ein verstellbarer Lamellenkranz im Objektiv, der den Durchmesser des Lichtbündels begrenzt. In der Fotografie erfüllt sie zwei Aufgaben zugleich: Sie dosiert die Lichtmenge, die den Sensor oder Film erreicht, und sie bestimmt, wie weit die Schärfe vor und hinter der Fokusebene reicht. Beide Wirkungen lassen sich nicht voneinander trennen.

Moderne Objektive schließen die Lamellen erst im Moment der Aufnahme. Bis dahin bleibt die Öffnung ganz offen, damit Sucher und Autofokus möglichst viel Licht bekommen. Wer die tatsächliche Wirkung vorab prüfen will, nutzt die Abblendtaste der Spiegelreflexkamera oder die Belichtungsvorschau einer spiegellosen Kamera, die das Sucherbild mit der eingestellten Öffnung zeigt.

Die Blendenzahl als Verhältnis von Brennweite und Pupille

Die Blendenzahl entsteht aus dem Verhältnis von Brennweite zu Durchmesser der Eintrittspupille, also der Öffnung, wie sie von vorn durch die Frontlinse betrachtet erscheint. Ein 100-mm-Objektiv mit 50 mm Pupillendurchmesser hat f/2. Deshalb wird die Angabe als Bruch f/2 geschrieben: Die Brennweite f geteilt durch zwei ergibt genau den Durchmesser.

Weil die Blendenzahl relativ ist, liefert f/4 an einem 24-mm-Weitwinkel und an einem 400-mm-Tele dieselbe Bildhelligkeit. Das Tele braucht dafür eine Pupille von 100 mm, das Weitwinkel nur 6 mm. Genau deshalb sind lichtstarke Teleobjektive groß, schwer und teuer, während ein 24 mm mit f/1,4 noch handlich in eine Jackentasche passt.

Volle Stufen und halbierte Lichtmenge

Die Lichtmenge hängt von der Fläche der Öffnung ab, und diese wächst mit dem Quadrat des Durchmessers. Eine volle Stufe verändert den Durchmesser darum um den Faktor Wurzel aus zwei, also rund 1,4. So entsteht die bekannte Reihe f/1, f/1,4, f/2, f/2,8, f/4, f/5,6, f/8, f/11, f/16, f/22 und f/32.

Jeder Schritt nach rechts halbiert das Licht. Von f/2,8 auf f/8 sind es drei Stufen, also ein Achtel der ursprünglichen Menge, das durch eine achtmal längere Belichtungszeit oder einen dreimal verdoppelten ISO-Wert ausgeglichen wird. Viele Kameras rasten zusätzlich in Drittelstufen wie f/3,2 und f/3,5 ein, was besonders feine Korrekturen erlaubt.

Ein verbreiteter Irrtum lautet, Blende 16 lasse halb so viel Licht durch wie Blende 8. Tatsächlich liegen zwei volle Stufen dazwischen, das Licht sinkt also auf ein Viertel. Wer die Zahl verdoppelt, muss immer quadrieren: doppelte Blendenzahl bedeutet vierfach längere Zeit. Am Belichtungsmesser oder im Display lässt sich das schnell kontrollieren.

Schärfentiefe über die Blende steuern

Je kleiner die Öffnung, desto schmaler der Lichtkegel, der von einem unscharfen Punkt auf den Sensor trifft, und desto kleiner wird der Zerstreuungskreis. Bleibt er unter etwa 0,03 mm am Vollformat, wirkt der Punkt im Abzug scharf. Ein 85 mm auf f/1,8 in zwei Metern Abstand liefert so nur rund sechs Zentimeter Schärfentiefe.

In der Praxis ergibt sich eine einfache Arbeitsfolge. Für ein freigestelltes Porträt öffnet man weit und fokussiert auf das nächstgelegene Auge. Für Landschaften wählt man f/8 bis f/11 und fokussiert etwa auf ein Drittel der Bildtiefe oder auf die hyperfokale Distanz. Für Produktfotos auf dem Tisch reicht selbst f/16 oft nur knapp.

Beugung und der Bereich höchster Schärfe

Schließt man die Blende sehr weit, wird das Licht an den Lamellenkanten gebeugt. Jeder Punkt zerfließt dann zu einem Beugungsscheibchen, dessen Durchmesser bei grünem Licht etwa 1,34 µm mal Blendenzahl beträgt. Bei f/22 sind das rund 30 µm, also bereits der gesamte zulässige Zerstreuungskreis am Vollformat. Feine Strukturen werden dadurch sichtbar weicher.

Jedes Objektiv hat deshalb einen Bereich höchster Schärfe, oft zwei bis drei Stufen unterhalb der Offenblende. Ein lichtstarkes 50 mm mit f/1,8 erreicht ihn typischerweise zwischen f/4 und f/8. Darunter begrenzen Linsenfehler, darüber die Beugung. An Sensoren mit kleinen Pixeln setzt der Beugungsverlust früher ein, an APS-C etwa eine Stufe vor dem Vollformat.

Bokeh, Lamellenform und T-Stops

Die Form unscharfer Lichtpunkte im Hintergrund folgt der Form der Öffnung. Viele gerundete Lamellen, etwa neun, ergeben auch abgeblendet runde Scheiben, wenige gerade Lamellen erzeugen dagegen Sechs- oder Achtecke. Ob das Bokeh weich oder unruhig wirkt, hängt zusätzlich von der sphärischen Korrektur ab, die einen hellen Rand oder einen sanften Abfall erzeugt.

Beim Film und bei Video zählt statt der Blendenzahl der T-Stop. Er berücksichtigt die tatsächliche Transmission, also das Licht, das Glas und Vergütung wirklich durchlassen. Ein Objektiv mit f/1,4 kann deshalb bei T1,5 liegen. Für die Fotografie mit Belichtungsmessung durchs Objektiv ist der Unterschied unerheblich, bei Kinoobjektiven mit externem Messgerät zählt er.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Warum bedeutet eine kleine Blendenzahl eine große Öffnung?

Die Blendenzahl ist ein Bruch aus Brennweite und Durchmesser der Eintrittspupille. Bei f/2 beträgt der Durchmesser die Hälfte der Brennweite, bei f/16 nur ein Sechzehntel. Je größer also die Zahl im Nenner, desto kleiner die Öffnung. Deshalb steht f/1,4 für ein lichtstarkes Objektiv und f/22 für eine sehr enge Öffnung.

Wie viel Licht verliert man pro Blendenstufe?

Jede volle Stufe halbiert die Lichtmenge. Von f/4 auf f/5,6 fällt also nur noch halb so viel Licht auf den Sensor, von f/4 auf f/8 ein Viertel. Ausgeglichen wird das durch eine doppelt beziehungsweise viermal so lange Belichtungszeit oder durch einen entsprechend höheren ISO-Wert, damit die Helligkeit am Ende gleich bleibt.

Bei welcher Blende ist ein Objektiv am schärfsten?

Die meisten Objektive erreichen ihre höchste Auflösung etwa zwei bis drei Stufen unterhalb der Offenblende, häufig zwischen f/4 und f/8. Weiter geöffnet begrenzen Linsenfehler die Schärfe, weiter geschlossen die Beugung. Für Landschaften mit großer Tiefe lohnt es sich daher, f/8 bis f/11 zu wählen und auf die hyperfokale Distanz zu fokussieren.

Was ist der Unterschied zwischen f-Stop und T-Stop?

Der f-Stop ist ein geometrisches Verhältnis aus Brennweite und Pupillendurchmesser. Der T-Stop misst dagegen, wie viel Licht tatsächlich durch das Objektiv gelangt, Verluste an Glas und Vergütung eingeschlossen. Ein Objektiv mit f/1,4 erreicht deshalb etwa T1,5. Im Filmbereich zählt der T-Stop, weil mehrere Objektive eines Satzes exakt gleich hell belichten sollen.

Wovon hängt ein schönes Bokeh ab?

Entscheidend sind die Form der Öffnung und die Korrektur des Objektivs. Viele gerundete Lamellen erzeugen auch abgeblendet runde Lichtscheiben im Hintergrund, wenige gerade Lamellen dagegen eckige. Hinzu kommt die sphärische Korrektur, die festlegt, ob ein Unschärfekreis weich ausläuft oder einen hellen Rand bekommt. Große Öffnung und großer Motivabstand verstärken die Wirkung.

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Redaktion zoerk.de · veröffentlicht am 13. August 2026 · Fehler melden · Arbeitsweise