Was die Foto-Rechner berechnen und was sie voraussetzen
Hinter jedem Foto-Rechner auf dieser Seite steht eine überschaubare Formel aus der klassischen geometrischen Optik. Das Werkzeug nimmt lediglich die Rechenarbeit ab, die Annahmen bleiben dieselben wie auf dem Papier. Vier Bausteine stehen bereit: ein Schärfentiefe-Rechner, ein Nahlinsen-Rechner, eine Adapter-Matrix mit Auflagemaßen und eine Filmtabelle mit Empfindlichkeiten, Formaten und Preisen.
Allen Rechnern gemeinsam ist das Modell der dünnen Linse. Ein reales Objektiv besteht aus vielen Gliedern, seine Hauptebenen liegen irgendwo im Gehäuse, und die angegebene Brennweite ist oft gerundet. Für die Planung einer Aufnahme reicht diese Näherung fast immer aus, und auch ein professioneller Foto-Rechner arbeitet nicht genauer. Erst im extremen Nahbereich und bei Innenfokussierung weichen die Ergebnisse spürbar ab.
Werkzeuge6 Kassetten
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Schärfentiefe-Rechner: hyperfokale Distanz, Nah- und Fernpunkt
Der Schärfentiefe-Rechner geht von der hyperfokalen Distanz aus. In Worten: Brennweite zum Quadrat, geteilt durch Blendenzahl mal Zerstreuungskreis, plus Brennweite, kurz H = f²/(N·c) + f. Wer auf diese Entfernung scharf stellt, erhält einen scharfen Bereich von der halben hyperfokalen Distanz bis unendlich. Landschaftsfotografen nutzen dieses Verfahren seit Jahrzehnten, früher mit Gravuren am Objektivtubus.
Ein Zahlenbeispiel zeigt die Größenordnung. Bei 35 mm, Blende 8 und 0,03 mm ergibt sich 1.225 geteilt durch 0,24, also rund 5.100 mm, plus 35 mm. Die hyperfokale Distanz liegt damit bei gut 5,1 m. Fokussiert auf diesen Wert, reicht die Schärfe von etwa 2,6 m bis zum Horizont, ohne weiter abblenden zu müssen.
Für eine bestimmte Einstellentfernung liefert der Rechner Nah- und Fernpunkt. Ein 50-mm-Objektiv bei Blende 4 und 3 m Abstand kommt auf eine hyperfokale Distanz von knapp 21 m, scharf erscheint der Bereich von etwa 2,6 bis 3,5 m. Auffällig ist die Asymmetrie: Hinter dem Fokuspunkt liegt mehr Schärfentiefe als davor.
Nahlinse im Rechner: Dioptrien, Maßstab und Arbeitsabstand
Eine Nahlinse verkürzt die Gesamtbrennweite, ohne den Auszug zu verändern. Steht das Objektiv auf unendlich, liegt die Schärfeebene genau in der Brennweite der Vorsatzlinse, also bei 1.000 mm geteilt durch die Dioptrienzahl. Der Abbildungsmaßstab ergibt sich aus Brennweite mal Dioptrien geteilt durch 1.000, als Formel m = f·D/1000, und genau diese Rechnung übernimmt der Foto-Rechner.
Mit +4 Dioptrien an einem 50-mm-Objektiv erreicht man damit 0,2, also 1:5, bei 250 mm Abstand vor der Linse. Dieselbe Nahlinse an einem 100-mm-Objektiv verdoppelt den Maßstab auf 1:2,5 bei unverändertem Abstand. Längere Brennweiten profitieren daher stärker von einer Nahlinse, was der Rechner unmittelbar sichtbar macht, sobald man die Eingabe variiert.
Aus dem Maßstab folgt die Breite des erfassten Feldes. Auf einem Kleinbildsensor von 36 mm Breite zeigt der Maßstab 1:5 ein Motivfeld von 180 mm, bei 1:2,5 sind es 90 mm. Dreht man den Fokusring vom Unendlich-Anschlag weg in Richtung Nahgrenze, wächst der Maßstab weiter, und der Abstand zum Motiv schrumpft spürbar.
Adapter-Matrix: Auflagemaß-Differenz als Adapterlänge
Die Adapter-Matrix vergleicht zwei Zahlen pro Kombination. Das Auflagemaß des Objektivs minus das Auflagemaß der Kamera ergibt die Länge des nötigen Adapters. Ein Leica-R-Objektiv mit 47,0 mm an Canon RF mit 20,0 mm braucht 27,0 mm, eine Contax/Yashica-Optik mit 45,5 mm an Nikon Z mit 16,0 mm genau 29,5 mm.
Negative Differenzen sind der kritische Fall. Dort müsste das Objektiv tiefer im Gehäuse sitzen, als es das Bajonett erlaubt, und ohne Korrekturglas ist nur noch der Nahbereich erreichbar, wie bei einem Zwischenring. Positive, aber sehr kleine Differenzen unter etwa 2 mm verlangen extrem dünne Ringe, die mechanisch selten stabil gebaut werden können.
Filmsorten-Tabelle: Typ, Empfindlichkeit und Preisspanne
Die Filmtabelle ordnet Kleinbild- und Rollfilme nach Typ: Farbnegativ für den C-41-Prozess, Diafilm für E-6 und Schwarzweißnegativ. Daneben stehen ISO-Wert, verfügbare Formate und eine Preisspanne pro Rolle, Stand: Herbst 2026. Ein Kodak Gold 200 im Kleinbild liegt bei rund 10 bis 12 Euro, ein Velvia 50 bei rund 22 bis 24 Euro.
Wer einen vertrauten Film sucht, stößt in der Liste auch auf neue Namen. Eastman Kodak hat 2026 den Vertrieb selbst übernommen und dabei Portra in Ektacolor Pro sowie T-Max in Ektapan umbenannt, die Emulsionen blieben gleich. Ein bekannter Film findet sich deshalb unter beiden Bezeichnungen, Restbestände mit altem Etikett werden separat geführt.
Grenzen der Modelle hinter jedem Foto-Rechner
Jeder Foto-Rechner arbeitet mit idealisierten Werten. Der Zerstreuungskreis von 0,03 mm gilt für einen Abzug in Postkartengröße aus Leseabstand, nicht für eine Pixelansicht am Monitor. Die klassische Formel kennt außerdem keine Beugung, obwohl diese ab etwa Blende 16 an Kleinbild die erreichbare Schärfe sichtbar begrenzt und deshalb immer getrennt betrachtet werden sollte.
Auch die Nahlinsen-Formel gilt streng nur bei Unendlich-Einstellung und dünnem Glas. Innenfokussierende Zooms verkürzen beim Scharfstellen ihre Brennweite, wodurch der tatsächliche Maßstab kleiner ausfällt als berechnet. Bei der Adapter-Matrix schwanken reale Ringe um wenige Hundertstel Millimeter, weshalb viele Hersteller sie bewusst etwas dünner fertigen, damit Unendlich sicher erreicht wird und die Skala leicht über den Anschlag hinausläuft.
