Wie ein Objektiv-Adapter funktioniert und warum es ihn braucht
Ein Objektiv-Adapter verbindet einen fremden Anschluss mit dem Bajonett der Kamera und füllt dabei den Abstand auf, den das Objektiv ursprünglich zur Filmebene hatte. Dieser Abstand zwischen Auflagefläche des Bajonetts und Bildebene heißt Auflagemaß. Stimmt er auf wenige Hundertstel Millimeter, stellt das Objektiv bis unendlich scharf, und die Entfernungsskala zeigt korrekte Werte.
Jedes Objektiv ist für genau dieses eine Maß gerechnet. Rückt es weiter vom Sensor weg, wirkt der Adapter wie ein Zwischenring: Nahaufnahmen gelingen, die Ferne bleibt verloren. Rückt es näher heran, lässt sich gar nicht mehr fokussieren. Aus dieser einfachen Mechanik ergibt sich, welche Kombinationen überhaupt funktionieren und welche nur mit Hilfsoptik zu retten sind.
Adapter-Matrix: Auflagemaß von Objektiv und Kamera
| Objektiv | Nikon Z | Canon EF | Canon RF | Sony E | Micro Four Thirds | Fujifilm X |
|---|---|---|---|---|---|---|
| M42 45,46 mm | 29,46 mm | 1,46 mm | 25,46 mm | 27,46 mm | 26,21 mm | 27,76 mm |
| Leica M 27,8 mm | 11,8 mm | nein | 7,8 mm | 9,8 mm | 8,55 mm | 10,1 mm |
| Leica R 47,0 mm | 31,0 mm | 3,0 mm | 27,0 mm | 29,0 mm | 27,75 mm | 29,3 mm |
| Nikon F 46,5 mm | 30,5 mm | 2,5 mm | 26,5 mm | 28,5 mm | 27,25 mm | 28,8 mm |
| Canon FD 42,0 mm | 26,0 mm | nein | 22,0 mm | 24,0 mm | 22,75 mm | 24,3 mm |
| Canon EF 44,0 mm | 28,0 mm | nativ | 24,0 mm | 26,0 mm | 24,75 mm | 26,3 mm |
| Minolta SR 43,5 mm | 27,5 mm | nein | 23,5 mm | 25,5 mm | 24,25 mm | 25,8 mm |
| Pentax K 45,46 mm | 29,46 mm | 1,46 mm | 25,46 mm | 27,46 mm | 26,21 mm | 27,76 mm |
| Pentax 67 84,95 mm | 68,95 mm | 40,95 mm | 64,95 mm | 66,95 mm | 65,7 mm | 67,25 mm |
| Olympus OM 46,0 mm | 30,0 mm | 2,0 mm | 26,0 mm | 28,0 mm | 26,75 mm | 28,3 mm |
| Hasselblad V 74,9 mm | 58,9 mm | 30,9 mm | 54,9 mm | 56,9 mm | 55,65 mm | 57,2 mm |
| Contax/Yashica (C/Y) 45,5 mm | 29,5 mm | 1,5 mm | 25,5 mm | 27,5 mm | 26,25 mm | 27,8 mm |
Die Auflagemaß-Tabelle der wichtigsten Anschlüsse
In einer Auflagemaß-Tabelle stehen die Spiegelreflexanschlüsse weit oben. M42 und Pentax K liegen bei 45,46 mm, Nikon F bei 46,5 mm, Olympus OM bei 46,0 mm, Contax/Yashica bei 45,5 mm und Leica R bei 47,0 mm. Darunter folgen Minolta MD mit 43,5 mm, Canon EF mit 44,0 mm und Canon FD mit 42,0 mm.
Im unteren Teil der Auflagemaß-Tabelle stehen Messsucher und Systemkameras. Leica M liegt bei 27,8 mm, das Schraubgewinde M39 bei 28,8 mm. Spiegellose Anschlüsse rücken näher an den Sensor: Nikon Z mit 16,0 mm, Fujifilm X mit 17,7 mm, Sony E mit 18,0 mm, Micro Four Thirds mit 19,25 mm sowie Canon RF und Leica L mit je 20,0 mm.
Unendlich-Fokus: welches Auflagemaß zu welchem Gehäuse passt
Die Regel lautet: Unendlich bleibt erreichbar, wenn das Auflagemaß der Kamera kleiner ist als das des Objektivs. Die Differenz entspricht der Stärke des Adapters. Ein Nikon-F-Objektiv an Nikon Z braucht 46,5 minus 16,0, also 30,5 mm. Ein Olympus-OM-Objektiv an Micro Four Thirds kommt auf 26,75 mm, ein Pentax-K-Objektiv an Fujifilm X auf 27,76 mm.
Knapp wird es zwischen zwei Spiegelreflexsystemen. Nikon F an Canon EF lässt nur 2,5 mm Raum, Contax/Yashica an EF sogar nur 1,5 mm, beides gelingt mit sehr dünnen Ringen. Minolta MD an EF scheitert dagegen, weil 43,5 mm kürzer sind als 44,0 mm. Auch ein Leica-M-Objektiv an einer Spiegelreflex fokussiert niemals auf die Ferne.
Ein verbreiteter Fehler ist es, einem Adapter ungeprüft zu vertrauen. Ist der Ring nur 0,1 mm zu dick, verfehlt ein 24-mm-Weitwinkel die Unendlichkeit bereits sichtbar, während ein 135-mm-Tele das kaum zeigt. Viele Hersteller fertigen Adapter deshalb minimal dünner, sodass das Objektiv leicht über unendlich hinaus dreht und die Skala nicht mehr genau stimmt.
Korrekturlinsen und elektronische Adapter
Fehlt Auflagemaß, bleibt nur eine Zerstreuungslinse im Objektiv-Adapter. Klassischer Fall ist Canon FD an Canon EF: Den 2 mm Rückstand gleicht ein negatives Glied aus, das zugleich wie ein schwacher Telekonverter wirkt. Aus einem 50-mm-Objektiv mit f/1,8 wird grob ein 65-mm-Objektiv mit f/2,4, und der Kontrast sinkt spürbar gegenüber dem nackten Objektiv.
Elektronische Adapter lösen ein anderes Problem. Sie übertragen Blendensteuerung, Autofokus und Exif-Daten zwischen Objektiv und Kamera, etwa für EF-Objektive an Sony E oder an Canon RF. Für manuelles Altglas bringen sie nichts, denn dort gibt es keine Kontakte. Ihr Feld sind moderne Autofokusobjektive, die beim Systemwechsel weiter genutzt werden sollen.
Altglas an spiegellosen Kameras: Blende, Fokus und Bildwinkel
Für Altglas ist die spiegellose Kamera das ideale Gehäuse. Ihr kurzes Auflagemaß lässt Platz für fast jeden Spiegelreflexanschluss, der elektronische Sucher zeigt das Bild bei Arbeitsblende in voller Helligkeit, und Fokuslupe sowie Peaking ersetzen die Mattscheibe. Die Belichtungsmessung funktioniert direkt am Sensor, Zeitautomatik mit vorgewählter Blende ist der übliche Arbeitsmodus.
Bei der Blendensteuerung lohnt ein genauer Blick auf das jeweilige Objektiv. Pentax K, Minolta MD, Olympus OM und ältere Nikon-F-Objektive besitzen einen Blendenring. Bei M42 muss der Adapter den Springblendenstift dauerhaft drücken oder das Objektiv auf manuell geschaltet werden. Canon-FD-Objektive schließen die Blende nur, wenn der Adapter den Blendenhebel entsprechend arretiert.
Den Bildwinkel bestimmt der Sensor, nicht der Objektiv-Adapter. An Vollformat bleibt ein 50-mm-Objektiv ein Normalobjektiv, an Fujifilm X wirkt es durch den Cropfaktor 1,5 wie 75 mm, an Micro Four Thirds mit Faktor 2,0 wie 100 mm. Altglas eignet sich an kleinen Sensoren deshalb gut für Porträts, für Weitwinkelaufnahmen braucht es sehr kurze Brennweiten.
Objektiv-Adapter für Altglas: typische Kombinationen
Wer einen Objektiv-Adapter für Altglas sucht, beginnt meist mit M42. Die Schraubobjektive aus DDR- und japanischer Produktion sind zahlreich, robust und passen über einfache Ringe an Sony E, Nikon Z, Canon RF, Fujifilm X und Micro Four Thirds. Ähnlich unkompliziert gelingt Pentax K, das dasselbe Auflagemaß hat und als Bajonett schneller wechselt.
Nikon-F- und Canon-FD-Objektive folgen dicht dahinter, weil sie sich mit derselben Systemkamera nutzen lassen, die im Alltag mit Autofokusobjektiven arbeitet. Die Adapter-Matrix auf dieser Seite zeigt für jede Kombination die nötige Adapterstärke. Bei FD gilt: an spiegellosen Kameras ohne Korrekturlinse, an EF nur mit Linse, und die Wahl fällt eindeutig zugunsten der Systemkamera aus.
Messsucherobjektive sind ein Sonderfall. Ein Leica-M-Objektiv an Sony E braucht nur 9,8 mm Adapter, an Leica L 7,8 mm, und M39 lässt sich über einen Ring von 1,0 mm auf Leica M umsetzen. Kurze Weitwinkel mit tief sitzender Hinterlinse zeigen an manchen Sensoren jedoch Farbverschiebungen und weiche Ecken, weil die Strahlen sehr schräg auf das Deckglas fallen.
Zörk Film- und Fototechnik und der Fremdanschlussadapter
Der Münchner Hersteller Zörk Film- und Fototechnik führte neben Shift- und Makrozubehör auch Fremdanschlussadapter im Programm. Sie dienten dazu, eine Mittelformat- oder Kleinbildkamera mit Objektiven anderer Anschlusssysteme zu erweitern. Damit passten sie in das Baukastenprinzip des Herstellers, bei dem Kameras um Verstelltechniken großformatiger Fachkameras ergänzt werden konnten, etwa Verschiebung und Verschwenkung.
Für jeden Objektiv-Adapter für Altglas gelten bis heute dieselben Prüfschritte vor dem ersten Einsatz. Zuerst das Auflagemaß beider Seiten vergleichen und die Adapterstärke ausrechnen, dann den Ring ansetzen und auf ein mindestens hundert Meter entferntes Motiv bei Offenblende fokussieren. Sitzt der Ring wackelig oder klemmt die Blende, wird er vor jedem weiteren Bild ersetzt.
