Vergrößerungsobjektive im Zörk-Baukasten
Ein Vergrößerungsobjektiv projiziert in der Dunkelkammer das Negativ auf Fotopapier, lässt sich aber ebenso gut an eine Digitalkamera setzen und für Makro nutzen. Der Münchner Hersteller Zörk Film- und Fototechnik baute sein gesamtes Zubehörsystem um diese Optiken herum und hielt sie für die Aufnahmeobjektive, mit denen seine Komponenten die besten Ergebnisse lieferten.
Die Mini-Macro-Schnecke diente als Fokussiereinheit, das Multi-Focus-System ergänzte Schwenk und Verschiebung, und die Vorsatzlinse Macroscope Typ 1 wurde ausdrücklich für den Einsatz vor solchen Optiken empfohlen. Alle Teile gehörten zu einem Baukasten, dessen Elemente sich frei kombinieren ließen. Als Verbindung diente durchgehend ein Rändelring mit M39-Gewinde, wie es an Vergrößerungsoptiken üblich war.
Rodagon, Componon und der Blendenvorwahlring
Namentlich genannt wurden Rodagon-Objektive von Rodenstock, Componon-Objektive von Schneider und besonders das Apo-Rodagon-N. An den Rodenstock-Modellen hob der Hersteller den gut greifbaren Blendenvorwahlring hervor: Er ließ sich mit dem Finger verstellen, während das Auge am Sucher blieb, und erleichterte so das Abblenden unmittelbar vor der Aufnahme, denn eine Springblendenmechanik besitzen diese Objektive nicht.
Der Gedanke hinter dem System war schlüssig: Vergrößerungsoptiken sind auf kurze Distanzen gerechnet, besitzen keine eigene Fokussierung und passen über ihr Normgewinde an jede Komponente. Aus Schnecke, Tubus und Objektiv entstand so ein leichtes Makrosystem ohne Balgen, das sich laut Hersteller an Kleinbild- und Mittelformatkameras ebenso einsetzen ließ wie an Video- und Cinekameras.
Gewinde und Adapter: vom M39-Ring zur Kamera
Die meisten Objektive dieser Gattung für Kleinbild und Mittelformat tragen ein Schraubgewinde M39 × 1, also 39 mm Durchmesser bei 1 mm Steigung. Das ältere Leica-Schraubgewinde misst ebenfalls 39 mm, hat aber eine leicht abweichende Steigung von 26 Gängen pro Zoll; beide lassen sich ein Stück weit zusammendrehen und verklemmen dann. Große Planfilmobjektive nutzen teils andere Gewinde.
An einer spiegellosen Kamera sieht die übliche Kette so aus: Vergrößerungsobjektiv, Ring von M39 auf M42, ein verstellbarer M42-Tubus oder Balgen, dann ein Adapter von M42 auf das Kamerabajonett. Das kurze Auflagemaß spiegelloser Gehäuse von rund 16 bis 20 mm lässt dabei viel Raum, sodass sich auch kleine Maßstäbe noch einstellen lassen.
Welche Brennweite für welches Makro
Die Brennweite einer Vergrößerungsoptik orientiert sich an der Diagonale des Negativs: 50 mm für Kleinbild, 80 mm für 6 × 6, 105 mm für 6 × 9 und 135 mm für noch größere Formate. Für Makro an Vollformat oder APS-C bedeutet das: Der Bildkreis der längeren Brennweiten ist großzügig, die Ecken bleiben auch bei Verschiebung sauber.
Ein Zahlenbeispiel zeigt den Unterschied. Für 1:2 braucht ein 50-mm-Objektiv 25 mm Auszug über die Unendlich-Stellung hinaus, das Motiv liegt dann 150 mm vor der Hauptebene. Ein 105-mm-Objektiv braucht für denselben Maßstab 52,5 mm Auszug und hält 315 mm Abstand. Insekten und Tautropfen profitieren vom längeren Abstand, Repros vom kürzeren Aufbau.
Warum ein Vergrößerungsobjektiv zwischen 1:5 und 1:1 glänzt
In der Dunkelkammer vergrößert ein solches Objektiv typischerweise zwei- bis zehnfach. Dreht man die Richtung um, entspricht das einer Aufnahme bei 1:2 bis 1:10, und genau für diese Abstände ist die Korrektur ausgelegt: ebenes Bildfeld, geringe Verzeichnung und gleichmäßige Schärfe bis in die Ecken. Bei 1:1 ist der Strahlengang symmetrisch, auch dort zeichnen die meisten Modelle sehr gut.
Die beste Leistung liegt meist ein bis zwei Stufen unter der Offenblende, bei einem 50-mm-Vergrößerungsobjektiv mit f/2,8 also bei Blende 5,6 bis 8. Zu beachten ist die effektive Blende, die mit dem Faktor (1 + Maßstab) wächst: Bei 1:1 wirkt Blende 5,6 wie Blende 11. Weiteres Abblenden kostet dort sichtbar Auflösung durch Beugung.
Retrostellung jenseits von 1:1
Oberhalb von 1:1 kehrt sich die Geometrie um: Das Motiv ist kleiner als sein Bild und liegt näher am Objektiv als der Sensor. Damit die kurze Schnittweite auf der Motivseite liegt, für die das Vergrößerungsobjektiv gerechnet ist, wird es umgekehrt montiert. Ein Umkehrring verbindet dazu das Filtergewinde mit dem Tubus, das M39-Gewinde zeigt dann zum Motiv.
Für 2:1 mit einem 50-mm-Objektiv sind rechnerisch 100 mm Auszug nötig, die effektive Blende verdreifacht sich, aus Blende 5,6 wird also praktisch Blende 16. Ab etwa 3:1 lohnen sich kürzere Brennweiten von 28 bis 40 mm, die für kleine Negativformate gebaut wurden, weil der Auszug sonst unhandlich lang und wackelig wird.
Sechslinser, Vierlinser und Apo-Rechnungen
Bei gebrauchten Vergrößerungsobjektiven lohnt ein Blick auf den Aufbau. Einfache Vierlinser nach Art des Tessar zeigen bei Offenblende weiche Ecken und sind vor allem für kleinere Maßstäbe brauchbar. Die verbreiteten 50-mm-Modelle mit f/2,8 der großen Hersteller sind dagegen meist Sechslinser, die das Bildfeld bis in die Ecken eben halten und Farbsäume deutlich besser korrigieren als die einfachere Bauweise.
Apochromatisch korrigierte Modelle bringen drei Wellenlängen statt zwei auf einen gemeinsamen Brennpunkt und unterdrücken damit die Farbsäume an Kontrastkanten, die bei hohem Maßstab besonders auffallen. Sie wurden für anspruchsvolle Farbvergrößerungen entwickelt und tauchen gebraucht seltener auf. Für den Einstieg genügt ein sauberes Sechslinser-Exemplar mit 50 oder 80 mm Brennweite vollkommen.
Typische Fehler mit dem Vergrößerungsobjektiv am M39-Adapter
Gebrauchte Objektive stammen oft aus feuchten Dunkelkammern. Vor dem Kauf zeigt eine Taschenlampe, die schräg durch die Linsen leuchtet, Pilzfäden, Schleier oder Kratzer, die im Makro jede Aufnahme flau machen. Ebenso wichtig ist eine leichtgängige Blende ohne Ölspuren; verharzte Lamellen bleiben beim Abblenden hängen und liefern ungleichmäßige Belichtungen innerhalb einer Serie.
Mehrere Fehler entstehen erst am Aufbau selbst. Ein Leica-Schraubring statt eines echten M39 × 1 klemmt nach wenigen Umdrehungen, innen glänzende Adapter erzeugen Streulicht, und ein Vergrößerungsobjektiv ohne Streulichtblende fängt seitliches Licht direkt auf der freiliegenden Frontlinse ein. Ein Stück schwarzer Karton als Tubus verbessert den Kontrast bei Makro sofort spürbar, besonders bei Gegenlicht.
