Wie Auszug und Maßstab zusammenhängen
Ein Objektiv, das auf unendlich steht, bildet in seiner Brennweite hinter der Hauptebene ab. Jeder zusätzliche Millimeter, um den es weiter vom Sensor wegrückt, verschiebt die Schärfe nach vorn und vergrößert das Bild. Ein Balgengerät und Zwischenringe nutzen beide genau dieses Prinzip, ohne selbst Glas in den Strahlengang zu bringen.
Die Grundformel lautet: zusätzlicher Auszug gleich Brennweite mal Maßstab. Ein 50-mm-Objektiv braucht für 1:2 also 25 mm, für 1:1 volle 50 mm und für 3:1 sogar 150 mm Verlängerung. Ein 135-mm-Tele dagegen benötigt für 1:1 bereits 135 mm. Deshalb wirken Balgen mit kurzen Brennweiten besonders stark, verkürzen aber auch den Arbeitsabstand.
Balgengerät und Zwischenringe im direkten Vergleich
Zwischenringe kommen meist als Satz aus drei Ringen, typischerweise mit etwa 12, 20 und 36 mm Länge, die sich frei kombinieren lassen. Sie sind leicht, stabil und passen in jede Fototasche. Allerdings springt der Maßstab in festen Stufen, und für jede Änderung muss das Objektiv abgeschraubt und ein anderer Ring eingesetzt werden.
Ein Balgengerät verstellt den Auszug dagegen stufenlos, oft über eine Zahnstange zwischen 30 und 150 mm oder mehr. Zusätzlich besitzen viele Modelle einen zweiten Schlitten, der das ganze Gerät auf der Schiene verschiebt, sodass Maßstab und Fokus getrennt eingestellt werden. Dafür ist der Balgen schwerer, empfindlicher und gehört praktisch immer auf ein Stativ.
Lichtverlust in Blendenstufen berechnen
Mit dem Auszug wächst der Lichtverlust, weil sich dieselbe Lichtmenge auf eine größere Bildfläche verteilt. Der Faktor beträgt (1 plus Maßstab) zum Quadrat. Bei 1:1 ergibt das den Faktor vier, also zwei Blendenstufen, bei 2:1 den Faktor neun, gut drei Stufen. Aus Blende 8 am Objektiv wird bei 2:1 effektiv Blende 24.
Moderne Kameras messen hinter dem Objektiv und gleichen den Verlust bei der Belichtung automatisch aus. Problematisch wird es beim Blitzen mit manueller Leistung oder beim Handbelichtungsmesser, der die Verlängerung nicht kennt. Ein praktischer Weg ist eine Testaufnahme mit Graukarte, danach wird die Blitzleistung oder die Belichtungszeit entsprechend der Stufenzahl korrigiert.
Automatische und manuelle Zwischenringe
Automatische Zwischenringe leiten über Kontakte alle Signale zwischen Kamera und Objektiv weiter: Blendensteuerung, Autofokus, Bildstabilisator und Exif-Daten bleiben erhalten. Manuelle Zwischenringe sind dagegen reine Metallrohre ohne jede elektrische Verbindung. An älteren Objektiven mit Blendenring funktionieren sie problemlos, denn die Blende lässt sich dort direkt am Objektiv vorwählen und von Hand schließen.
Elektronische Objektive ohne Blendenring lassen sich an rein mechanischen Ringen nicht abblenden; je nach System bleibt die Blende vollständig offen oder schließt sich auf den kleinsten Wert. Beides ist für Makroarbeit ungeeignet. Der typische Fehler beim Kauf billiger Ringsätze ist deshalb, nicht auf die Kontakte zu achten, obwohl nur moderne Objektive vorhanden sind.
Balgengerät an spiegellosen Kameras adaptieren
Die meisten gebrauchten Balgen stammen aus der Spiegelreflexzeit und tragen Anschlüsse wie M42, Nikon F oder Olympus OM. Spiegellose Kameras haben ein deutlich kürzeres Auflagemaß, daher genügt ein einfacher Adapter vom Balgenanschluss auf das Kamerabajonett. Der Adapter fügt dem Auszug seine eigene Länge hinzu, was den kleinsten erreichbaren Maßstab leicht anhebt.
Wer ein Balgengerät an einem spiegellosen Gehäuse nutzt, profitiert vom elektronischen Sucher mit Lupenfunktion und Fokus-Peaking, weil das dunkle Bild rechnerisch aufgehellt wird. Zu beachten ist der Platz unter der hinteren Standarte: Manche Gehäuse stoßen mit dem Griff an die Schiene, dann hilft ein kurzer zusätzlicher Zwischenring hinter dem Adapter.
Objektiv umgekehrt am Balgen montieren
Ab etwa 1:1 lohnt es sich, das Objektiv am Balgengerät umgekehrt an die vordere Standarte zu setzen. Ein normales Objektiv ist für ein fernes Motiv und ein nahes Bild gerechnet. Im Makrobereich kehrt sich das Verhältnis um, und mit der Frontlinse zum Sensor arbeitet die Optik wieder in ihrer vorgesehenen Richtung.
Benötigt wird ein Umkehrring mit dem Filtergewinde des Objektivs auf der einen und dem Balgenanschluss auf der anderen Seite. Ältere Balgen boten dafür einen Doppeldrahtauslöser, der die Springblende des umgekehrten Objektivs kurz vor der Aufnahme schließt. Ohne diese Mechanik wird mit offener Blende scharf gestellt und vor dem Auslösen von Hand abgeblendet.
Vergrößerungsobjektive aus der Dunkelkammer eignen sich ebenso gut für den Balgen. Sie sind von Haus aus für kurze Abstände konstruiert, tragen meist ein M39-Gewinde und besitzen eine rein manuelle Blende. Mit 50 mm Brennweite und dem vollen Auszug eines typischen Balgens erreichen sie Maßstäbe um 3:1, bei ruhiger Beleuchtung mit sehr hoher Randschärfe.
