Die Mini-Macro-Schnecke von Zörk
Ein Schneckengang ist ein Gewindetubus, der sich beim Drehen verlängert und ein daran befestigtes Objektiv stufenlos von der Kamera wegschiebt. Der Münchner Hersteller Zörk Film- und Fototechnik bot unter dem Namen Mini-Macro-Schnecke, kurz Mi-Ma, eine solche Fokussiereinheit an, die ausdrücklich als handlicher Ersatz für das Balgengerät in der Nahfotografie gedacht war.
Gebaut war sie dreiteilig aus hochfestem Aluminium mit präzise gefrästen Gewindegängen, wog nur 45 g und deckte einen Auszug von 26 bis 60 mm ab. Den gesamten Bereich durchlief sie mit knapp einer vollen Umdrehung, was schnelles Scharfstellen auch aus freier Hand erlaubte. Vorne nahm ein Rändelring mit M39 × 1 das Objektiv auf.
Als Einsatzgebiete nannte der Hersteller die Makrofotografie, Reproduktionen von Dias und anderen planen Vorlagen und, je nach Brennweite, sogar Aufnahmen im Normal- und Fernbereich. Über Wechseladapter passte die Schnecke an zahlreiche Kleinbild- und Mittelformatkameras, an C-Mount-Filmkameras und an Vergrößerungsgeräte. Zusätzliche Tuben mit 32 und 50 mm Länge steigerten den Maßstab auf 10:1 und darüber.
Schneckengang statt Balgengerät: was die Mechanik unterscheidet
Gegenüber einem Balgengerät warb Zörk mit Stabilität: Balgen seien oft wackelig, schwer und neigten zu einem leichten Schiefstand des Objektivs, während die Schnecke die Objektivebene exakt parallel zur Filmebene halte. Gerade bei Repros zählt diese Parallelität, weil schon eine geringe Neigung bei offener Blende eine Seite der Vorlage aus der Schärfe schiebt.
Der Preis dafür ist ein begrenzter Hub. Ein typischer Balgen bietet Auszüge von deutlich über 100 mm und lässt sich über eine Zahnstange fein verschieben, eine kompakte Schnecke dagegen nur einige Zentimeter. Wer selten über 1:1 hinausgeht und unterwegs arbeitet, profitiert vom Schneckengang, im Studio mit hohen Maßstäben bleibt der Balgen überlegen.
Warum ein Vergrößerungsobjektiv einen Schneckengang braucht
Ein Vergrößerungsobjektiv besitzt keine eigene Fokussierung. Im Vergrößerungsgerät übernimmt der Balgen oder die Säule das Scharfstellen, das Objektiv selbst ist nur eine Fassung mit Blende und M39-Gewinde. An der Kamera fehlt dieser Mechanismus, also muss ein separates Element den Abstand zwischen Hauptebene und Sensor regeln, und genau das leistet ein Schneckengang.
Hinzu kommt die Frage der Unendlich-Einstellung. An einer Spiegelreflexkamera erreicht man sie mit Schnecke, Adapter und kurzem Objektiv in der Regel nicht, weil der Spiegelkasten zu viel Abstand erzwingt. Spiegellose Gehäuse mit kurzem Auflagemaß lassen dagegen oft genug Platz. Für Makro ist das zweitrangig, denn dort wird ohnehin weit über die Brennweite hinaus ausgezogen.
Auszug und Maßstab: drei Rechenbeispiele
Für ein auf Unendlich gerechnetes Objektiv gilt: Maßstab gleich zusätzlicher Auszug geteilt durch Brennweite. Ein 50-mm-Objektiv braucht also 25 mm Verlängerung für 1:2 und 50 mm für 1:1. Der Hub der Mi-Ma von 34 mm verschob den Maßstab an dieser Brennweite um knapp 0,7, beispielsweise von 1:4 bis fast 1:1.
Mit einem 80-mm-Vergrößerungsobjektiv ändert derselbe Hub den Maßstab nur um rund 0,43, dafür wächst der Arbeitsabstand. Bei 1:2 liegt das Motiv dann etwa 240 mm vor der Hauptebene statt 150 mm beim 50er. Insektenfotografen schätzen diesen Abstand, weil die Tiere seltener fliehen und sich das Licht leichter seitlich einbringen lässt.
Für den Maßstab 4:1, also die vierfache Vergrößerung auf dem Sensor, braucht ein 50-mm-Objektiv rechnerisch 200 mm zusätzlichen Auszug. Das schafft die Schnecke nur zusammen mit den Tuben von 32 und 50 mm und weiteren Verlängerungen. Ein kurzes Vergrößerungsobjektiv mit 28 mm Brennweite erreicht 4:1 schon mit rund 112 mm Auszug, lässt dann aber kaum Arbeitsabstand.
Plane Bildfelder im Nahbereich
Vergrößerungsobjektive sind dafür gerechnet, ein flaches Negativ auf flaches Papier abzubilden, typischerweise bei zwei- bis zehnfacher Vergrößerung. Ihre Korrektur zielt deshalb auf ein ebenes Bildfeld und gleichmäßige Schärfe bis in die Ecken bei kurzen Distanzen. Umgekehrt betrachtet entsprechen diese Verhältnisse genau einer Makroaufnahme im Bereich von etwa 1:10 bis 1:2.
Klassische Aufnahmeobjektive sind dagegen meist auf größere Entfernungen optimiert und zeigen im Nahbereich eine gewölbte Schärfefläche. Bei Briefmarken, Münzen oder Dias fällt das sofort auf, weil die Mitte scharf und der Rand weich wird. Ein Vergrößerungsobjektiv am Schneckengang liefert hier bei Blende 5,6 bis 8 eine gleichmäßige Zeichnung über die ganze Vorlage.
Einen Schneckengang heute zusammenstellen
Heute verbreitet sind fokussierbare Tuben mit M42-Gewinde auf beiden Seiten, erhältlich in verschiedenen Hubbereichen. Die Kette besteht dann aus Kamera, Adapter von M42 auf den Kameraanschluss, Schnecke, Übergangsring von M39 auf M42 und dem Vergrößerungsobjektiv. An spiegellosen Gehäusen bleibt durch das kurze Auflagemaß reichlich Platz, um die Grundlänge mit Zwischenringen anzupassen.
Sinnvoll ist eine Schnecke, die beim Drehen das Objektiv nicht mitdreht, damit die Blendenskala oben bleibt. Innen sollten die Tuben matt geschwärzt oder beflockt sein, sonst hellen Reflexe die Bildmitte auf. Ein kurzer Test gegen eine helle Fläche bei Blende 16 zeigt sofort, ob ein Lichtfleck entsteht, und spart später viel Retusche.
Typische Fehler mit Schnecke und Tubus
Viele versuchen bei hohem Maßstab, allein mit dem Schneckengang scharfzustellen. Dabei ändert jede Drehung gleichzeitig Maßstab und Schärfeebene, das Motiv wandert im Bild. Besser ist es, den Maßstab mit der Schnecke grob festzulegen und dann die ganze Kamera auf einem Einstellschlitten zu verschieben, bis die gewünschte Ebene scharf erscheint. Der Maßstab bleibt so konstant.
Ebenso häufig wird die Lichtverlängerung vergessen. Bei 1:1 wirkt Blende 8 wie Blende 16, bei 2:1 wie Blende 24. Die Belichtungsmessung durch das Objektiv gleicht das zwar aus, doch Verschlusszeiten werden lang und Beugung drückt die Auflösung. Für 2:1 lohnt es sich daher, das Vergrößerungsobjektiv in Retrostellung zu montieren, also mit der Frontlinse zur Kamera.
