Was Mittelformat bedeutet: Rollfilm 120 und die Bildformate
Als Mittelformat gelten alle Aufnahmeformate zwischen dem Kleinbild mit 24 × 36 mm und dem Großformat ab 4 × 5 Zoll. In der Praxis ist damit fast immer der Rollfilm 120 gemeint, den Kodak 1901 mit einer einfachen Boxkamera einführte. Der Film ist rund 61 mm breit und auf eine Spule mit lichtdichtem Trägerpapier gewickelt.
Die Bildhöhe beträgt bei allen Rollfilmformaten etwa 56 mm, nur die Breite variiert. Die Bezeichnungen 6 × 4,5, 6 × 6, 6 × 7 und 6 × 9 sind gerundete Zentimeterangaben, das tatsächliche 6×7-Negativ misst etwa 56 × 70 mm. Eine Perforation gibt es nicht, der Transport wird über ein Zählwerk oder ein Fenster in der Rückwand gesteuert.
Aufnahmen pro Rolle: 6 × 4,5, 6 × 6, 6 × 7 und 6 × 9
Aus der festen Filmlänge ergibt sich die Bildzahl: 15 Aufnahmen bei 6 × 4,5, zwölf bei 6 × 6, zehn bei 6 × 7 und acht bei 6 × 9. Wer zwölf quadratische Bilder auf eine Rolle bringt, belichtet pro Aufnahme etwa 3.100 Quadratmillimeter Fläche, also rund das 3,6-Fache eines Kleinbildnegativs mit 864 Quadratmillimetern.
Ein häufiger Fehler bei älteren Klappkameras ist das falsche Rotfenster. Viele dieser Kameras zeigen die Bildnummern, die auf das Trägerpapier gedruckt sind, durch ein kleines rotes Fenster in der Rückwand. Für 6 × 9 und 6 × 4,5 laufen dort verschiedene Zahlenreihen, wer die falsche Reihe abliest, belichtet doppelt oder verschenkt die halbe Rolle.
Klassische Kamerasysteme: Mittelformat analog fotografieren
Wer Mittelformat analog erleben will, begegnet zuerst zweiäugigen Spiegelreflexkameras wie Rolleiflex und Yashica Mat. Sie besitzen ein Sucher- und ein Aufnahmeobjektiv übereinander und belichten 6 × 6. Einäugige Systeme wie die Hasselblad-V-Reihe ab 1957 setzten auf Wechselmagazine, für einen Filmwechsel mitten in der Rolle. Mamiya RB67 und Pentax 67 brachten das Format 6 × 7 in die Studios.
Leichter fällt der Einstieg ins analog belichtete Rollfilmbild mit Messsucherkameras im Format 6 × 7 oder 6 × 9 und mit Klappkameras der 1930er- bis 1950er-Jahre, deren Balgen das Objektiv beim Zuklappen schützt. Kameras für 6 × 4,5, etwa von Mamiya oder Pentax, liefern 15 Aufnahmen und kommen in Handhabung und Gewicht einer großen Kleinbildkamera am nächsten.
Mittelformat digital: Sensoren mit 44 × 33 mm und größer
Digital hat sich im Mittelformat ein Sensor mit etwa 44 × 33 mm durchgesetzt, wie ihn die GFX-Reihe von Fujifilm und die X-Reihe von Hasselblad verwenden. Er ist rund 1,7-mal so groß wie ein Vollformatsensor, aber deutlich kleiner als ein 6×6-Negativ. Digitale Rückteile mit rund 53,4 × 40 mm kommen dem Format 6 × 4,5 näher.
Wer digital im großen Format arbeiten will, muss den Formatfaktor beachten. Bei 44 × 33 mm liegt er bezogen auf Kleinbild bei etwa 0,79, ein 63-mm-Objektiv zeigt also ungefähr den Bildwinkel eines 50-mm-Objektivs am Vollformat. Ältere Rollfilmobjektive lassen sich über Adapter anschließen, sofern ihr Bildkreis die gesamte Sensordiagonale von rund 55 mm ausleuchtet.
Warum Mittelformatbilder anders wirken
Der Unterschied entsteht vor allem durch die längere Brennweite für denselben Bildwinkel. Ein 80-mm-Objektiv ist am Format 6 × 6 die Normalbrennweite und entspricht im Bildwinkel etwa 44 mm am Kleinbild. Bei Blende 2,8 ergibt sich eine Schärfentiefe, die am Kleinbild etwa Blende 1,5 erfordern würde. Der Übergang in die Unschärfe verläuft dadurch weicher und gestreckter.
Ob analog oder digital, hinzu kommt die geringere Vergrößerung. Für einen Abzug in 30 × 40 cm muss ein 6×7-Negativ etwa sechsfach vergrößert werden, ein Kleinbildnegativ rund elffach. Korn und Unschärfen fallen entsprechend kleiner aus, Tonwertübergänge in Himmel und Haut wirken glatter. Gerade bei Schwarzweißfilm mit ISO 400 zeigt sich dieser Abstand schon auf kleineren Formaten.
Rollfilm einlegen und Mittelformat-Negative verarbeiten
Rollfilm wird nicht in eine Patrone zurückgespult. Die volle Spule wird eingesetzt, der Anfang des Trägerpapiers auf die leere Spule gefädelt und bis zur Startmarke gedreht. Nach der letzten Aufnahme kurbelt man das restliche Papier vollständig auf, nimmt die volle Spule heraus und klebt sie mit dem beiliegenden Klebestreifen fest zu, damit sie nicht aufspringt.
Für die Entwicklung braucht es Spiralen, die auf die Breite von 120 umgestellt werden, und das Einspulen ist wegen des weichen, breiten Films anspruchsvoller als beim Kleinbild. Der Klebestreifen zwischen Papier und Film wird im Dunkeln abgerissen. Beim Scannen braucht man einen Halter für Mittelformat, da viele Kleinbildscanner nur 35-mm-Streifen aufnehmen.
Film und Kosten pro Aufnahme beim Rollfilm
Rollfilm 120 kostet im Fachhandel bei Schwarzweiß rund 5 bis 16 Euro, bei Farbnegativ rund 11 bis 21 Euro und bei Diafilm rund 13 bis 23 Euro pro Rolle (Stand: Herbst 2026). Fomapan 100 und Kentmere Pan bilden das untere Ende, Ektacolor Pro 800 und die CineStill-Filme das obere Ende des Farbangebots.
Pro Bild fällt die Rechnung im Mittelformat deutlich anders aus als beim Kleinbild. Eine Rolle Ektacolor Pro 400 für rund 18 Euro ergibt bei 6 × 7 nur zehn Aufnahmen, jede kostet damit fast zwei Euro an Material. Diese Rechnung erklärt, warum Rollfilm zu langsamerem Arbeiten mit Stativ und Handbelichtungsmesser einlädt, wie es in Landschaft und Porträt üblich ist.
