Was den Kleinbildfilm im Format 135 ausmacht
Ein Kleinbildfilm ist 35 mm breit, beidseitig perforiert und steckt in einer lichtdichten Metallpatrone mit der Typbezeichnung 135. Das Bildfeld misst 24 × 36 mm, seine Diagonale rund 43,3 mm, und genau dieses Maß übernahm später das digitale Vollformat. Pro Bild transportiert die Kamera acht Perforationslöcher weiter, das entspricht 38 mm Film.
Das Format stammt aus der Kinematografie. Kinofilm lief senkrecht mit 18 × 24 mm, Oskar Barnack legte ihn für die Leica in der Mitte der 1920er-Jahre waagerecht und verdoppelte so die Bildfläche. Kodak führte 1934 die heute übliche Tageslichtpatrone ein, die sich ohne Dunkelkammer einlegen lässt und seither das Format 135 bestimmt.
DX-Codierung und Aufnahmezahl: 36 oder 24 Bilder
Seit 1983 tragen die meisten Patronen den DX-Code. Für die Kamera ist das ein Feld aus zwölf metallischen oder isolierten Rechtecken, das über Kontakte die Empfindlichkeit zwischen ISO 25 und 5.000, die Aufnahmezahl und den Belichtungsspielraum übermittelt. Für das Labor gibt es zusätzlich einen Strichcode auf der Patrone und einen einbelichteten Code am Filmrand.
Den Kleinbildfilm gibt es üblicherweise mit 36 und 24 Aufnahmen, gelegentlich auch in kürzeren Konfektionen. Auf dem Filmanfang gehen beim Einlegen ein bis zwei Bilder verloren, dafür passen am Ende oft eine oder zwei zusätzliche Aufnahmen auf die Rolle. Wer Meterware selbst in leere Patronen spult, bestimmt die Länge frei, verzichtet aber meist auf DX-Kontakte.
Farbnegativ, Dia oder Schwarzweiß
Farbnegativfilm wird im Prozess C-41 entwickelt und liefert ein orange maskiertes Negativ, das erst beim Abzug oder Scan zum Positiv wird. Sein großer Vorteil ist der Belichtungsspielraum: Zwei bis drei Blendenstufen Überbelichtung steckt er meist ohne sichtbare Einbußen weg. Gold 200, UltraMax 400 und Ektacolor Pro 400 sind typische Vertreter dieser Gruppe.
Diafilm wie Ektachrome E100, Velvia 50 oder Provia 100F wird im Prozess E-6 direkt zum Positiv entwickelt und verzeiht kaum mehr als eine halbe Blende Fehler. Für Schwarzweiß gibt es klassische Silberfilme wie HP5 Plus, Tri-X 400 oder Fomapan 100 und den chromogenen XP2 Super, der wie ein Farbfilm im Prozess C-41 entwickelt wird.
Die passende Empfindlichkeit für den Kleinbildfilm wählen
Die Empfindlichkeit richtet sich nach Licht und gewünschter Bildwirkung. Ein Film mit ISO 100 erlaubt an einem sonnigen Tag offene Blenden, braucht im Innenraum aber ein Stativ. ISO 400 gilt als vielseitigster Wert, weil er bei bedecktem Himmel noch 1/500 Sekunde bei Blende 8 ermöglicht. Filme mit 800 bis 3200 sind für Konzerte und Dämmerung gedacht.
Mit steigender Empfindlichkeit wächst das Korn. Ein Kleinbildfilm mit ISO 50 wie Pan F Plus zeigt selbst in starker Vergrößerung kaum Struktur, Delta 3200 dagegen schon auf einem Abzug in 13 × 18 cm deutlich sichtbares Korn. Wer Porträts mit weichen Hauttönen plant, greift eher zu ISO 160 oder 400 als zum feinsten Material.
Pushen und Pullen: Empfindlichkeit bewusst verschieben
Beim Pushen belichtet man einen Film so, als sei er empfindlicher, und gleicht das durch eine verlängerte Entwicklung aus. Ein Tri-X 400, an der Kamera auf ISO 1600 gestellt, ist um zwei Stufen gepusht. Der Kontrast steigt, die Schatten verlieren Zeichnung, das Korn wird gröber. In Schwarzweiß ist dieses Verfahren seit Jahrzehnten eine Standardtechnik.
Pullen ist der umgekehrte Weg: Der Film wird reichlicher belichtet und kürzer entwickelt, was den Kontrast bei hartem Licht senkt. Ein typischer Fehler ist, nur einen Teil der Rolle gepusht zu belichten. Die Entwicklung gilt immer für den ganzen Film, deshalb muss die gesamte Rolle mit derselben Einstellung belichtet und dem Labor so gemeldet werden.
Abgelaufener Film, Lagerung und Kühlschrank
Wärme ist der größte Feind von unbelichtetem Kleinbildfilm. Im Kühlschrank bei wenigen Grad hält Film deutlich länger als auf der Fensterbank, im Gefrierfach noch länger. Vor dem Öffnen braucht eine gekühlte Packung ein bis zwei Stunden, eine gefrorene eher länger, um sich anzugleichen, sonst schlägt sich Kondenswasser auf der Emulsion nieder.
Abgelaufene Filme sind keineswegs wertlos. Bei Schwarzweiß reicht oft eine Blendenstufe mehr Licht, damit die Schatten noch Zeichnung tragen. Farbfilm aus unbekannter Lagerung reagiert unberechenbar mit Grünstich, Schleier und flachem Kontrast. Wer eine solche Rolle in Schwarzweiß abziehen oder scannen lässt, rettet häufig mehr Bilder als bei einer farbigen Ausgabe der Negative.
Einen Kleinbildfilm sauber einlegen und zurückspulen
Das Einlegen gelingt am sichersten im Schatten des eigenen Körpers, nie in direkter Sonne. Die Patrone kommt mit der Achse nach unten in die linke Kammer, der Anfang wird über die Andruckplatte zur Spule gezogen, bis die Perforation in beide Zahnrollen greift. Danach schließt man die Rückwand und transportiert zweimal weiter, bis das Zählwerk eins zeigt.
Ist der Kleinbildfilm voll belichtet, spürt man am Spannhebel einen harten Widerstand, den man auf keinen Fall mit Gewalt überwindet. Erst nach dem Druck auf den Rückspulknopf am Boden wird der Film mit der Kurbel in die Patrone zurückgedreht. Sobald der Zug nachlässt, ist er von der Aufwickelspule gelöst und vollständig verstaut.
