Was ein Pro-Shift-Adapter leistet
Ein Pro-Shift-Adapter verschiebt ein Objektiv parallel zur Sensorebene und überträgt damit eine Bewegung der Fachkamera auf Kleinbild- und Systemkameras. Der Grundgedanke bleibt bei allen Bauformen gleich: Ein Objektiv mit größerem Bildkreis sitzt vor einem kleineren Sensor, und der Mechanismus führt den Sensor kontrolliert durch diesen Kreis, ohne dass die Kamera gekippt werden muss.
Daraus ergeben sich zwei praktische Anwendungen in Architektur und Studio. Erstens bleiben senkrechte Kanten senkrecht, wenn die Kamera waagerecht steht und das Objektiv den Ausschnitt nach oben verlagert. Zweitens lassen sich Einzelbilder aus verschiedenen Positionen desselben Bildkreises zu einer größeren Fläche zusammensetzen. Beide Verfahren hängen vom selben Kennwert ab, dem nutzbaren Verstellweg.
Der Pro-Shift-Adapter im Baukasten von Zörk Film- und Fototechnik
Der Münchner Hersteller Zörk Film- und Fototechnik führte den Pro-Shift-Adapter als Teil eines Baukastensystems. Laut Produktübersicht ergänzte er das Multi-Focus-System, das für die Objektivverschwenkung im Makrobereich gedacht war, um eine zusätzliche Verschiebung. So konnten stürzende Linien bei Sachaufnahmen mit Vergrößerungsobjektiven ausgeglichen werden, also etwa bei Möbeln, Modellen oder Produkten auf dem Aufnahmetisch.
Neben dem Multi-Focus-System ließ sich das Bauteil nach Angaben des Herstellers mit dem Panorama-Shift-Adapter, dem Schärfentiefen-Dehner-Set und dem Macroscope kombinieren. Die besten Ergebnisse versprach der Hersteller mit hochwertigen Vergrößerungsobjektiven aus dem Laborbereich. Der verwandte Panorama-Shift-Adapter brachte Mittelformat-Objektive mit einem Verstellweg von ±20 mm an Kleinbildkameras, der Pro-Shift-Adapter übertrug denselben Gedanken auf die Tischfotografie.
Bildkreis und Verstellweg berechnen
Wie weit sich ein Objektiv verschieben lässt, folgt aus dem Satz des Pythagoras. Der nötige Bildkreis entspricht dem doppelten Abstand von der optischen Achse zur entferntesten Formatecke. Für Kleinbild mit 36 mal 24 mm und 12 mm Verschiebung entlang der langen Seite sind das zwei mal die Wurzel aus 30 zum Quadrat plus 12 zum Quadrat, rund 64,6 mm.
Bei 20 mm Verstellweg steigt der Bedarf entlang der langen Seite auf knapp 80 mm, entlang der kurzen auf gut 73 mm. Ein APS-C-Sensor mit 23,5 mal 15,6 mm kommt für denselben Weg mit 61 bis 66 mm aus. Deshalb gewinnt ein kleineres Format mehr Spielraum, verliert aber zugleich an Weitwinkel, weil der Cropfaktor den Bildwinkel beschneidet.
Ein häufiger Irrtum ist, den Bildkreis mit der Formatdiagonale des Ursprungsformats gleichzusetzen. Viele Objektive leuchten etwas mehr aus, liefern am äußersten Rand aber deutlich schwächeren Kontrast und Randabfall. Wer den gesamten Verstellweg nutzt, sollte deshalb um zwei Stufen abblenden und die Ecken in einer Probeaufnahme bei voller Verschiebung am Monitor vergrößert kontrollieren.
Welche Mittelformat-Objektive sich adaptieren lassen
Bewährt haben sich die Systeme Mamiya 645, Pentax 645, Hasselblad V, Pentacon Six und Pentax 67, weil sie über Blendenringe verfügen und gebraucht zahlreich angeboten werden. Für den Adapter zählt außerdem das Auflagemaß. Ein Mamiya-645-Objektiv mit 63,3 mm lässt an Nikon F mit 46,5 mm nur 16,8 mm Bautiefe für den gesamten Verschiebemechanismus.
Großzügiger wird es mit Pentax 645 bei 70,87 mm, Hasselblad V bei 74,9 mm und Pentax 67 bei 84,95 mm. An spiegellosen Gehäusen mit 16 bis 20 mm Auflagemaß bleibt bei allen Systemen reichlich Platz. Hasselblad-V-Objektive bringen einen eigenen Zentralverschluss mit, der für den Betrieb am Adapter geöffnet bleiben muss, während die Kamera selbst belichtet.
Mittelformat am kleinen Sensor: Brennweite und Bildwinkel
Die Brennweite eines Mittelformat-Objektivs ändert sich durch den Adapter nicht, wohl aber der genutzte Bildwinkel. Ein 45-mm-Objektiv, an 6 mal 4,5 ein Weitwinkel, wirkt an Kleinbild wie ein Normalobjektiv und an APS-C wie etwa 68 mm. Rektilineare Mittelformatweitwinkel beginnen meist bei 35 bis 40 mm, kürzer wird es kaum, von Fischaugen abgesehen.
Für enge Straßen ist das eine echte Einschränkung, für Sachaufnahmen im Studio dagegen ein Vorteil. Längere Brennweiten wie 80 mm oder 150 mm halten mehr Abstand zum Objekt und zeigen Möbel oder Modelle ohne aufdringliche Perspektive. Wer hauptsächlich Architektur fotografiert, rechnet vor dem Kauf die benötigte Brennweite für Standort und Gebäudehöhe aus.
Die Stitch-Shift-Methode mit festem Objektiv
Bei der Stitch-Shift-Methode bleibt das Objektiv am Stativ fest, nicht die Kamera. Ein Shift-Adapter mit Stativanschluss am Objektivteil, wie ihn eine Spezialausführung des Panorama-Shift-Adapters besaß, hält das Glas, die Kamera gleitet dahinter in zwei oder drei Positionen. Weil das Projektionszentrum stillsteht, entstehen keine Parallaxenfehler, und die Teilbilder passen sauber aneinander.
Am Pro-Shift-Adapter belichtet ein 24-Megapixel-Vollformatsensor, je 18 mm nach links und rechts verschoben, zusammen eine Fläche von 72 mal 24 mm. Daraus wird eine Datei mit knapp 48 Megapixeln im Seitenverhältnis 3:1. Mit Verschiebung nach oben und unten ergeben vier Teilbilder rund 72 mal 48 mm, sofern der Bildkreis wie bei Objektiven für 6 mal 7 knapp 87 mm erreicht.
Fehler passieren meist bei der Belichtung. Der Belichtungsmesser zeigt in verschobener Stellung wegen des Randabfalls andere Werte, deshalb wird in Mittelstellung gemessen und dieser Wert manuell für alle Teilbilder festgehalten. Auch Fokus und Weißabgleich bleiben fixiert. Erst danach wird die Kamera Position für Position verschoben, ausgelöst wird per Fernauslöser oder Selbstauslöser mit zwei Sekunden Vorlauf.
