Wer ein Panorama fotografieren will, muss Parallaxe vermeiden
Wer ein Panorama fotografieren möchte, setzt mehrere Einzelbilder zu einem Bild mit größerem Bildwinkel zusammen. Das klappt nahtlos, solange sich nahe und ferne Gegenstände zwischen den Aufnahmen nicht gegeneinander verschieben. Diese Verschiebung heißt Parallaxe und entsteht, wenn die Kamera um einen falschen Punkt gedreht wird, etwa um das Stativgewinde unter dem Gehäuse.
Ein einfacher Test zeigt das Problem: Ein Daumen vor dem Auge springt gegenüber dem Hintergrund, wenn der Kopf sich dreht, weil das Auge dabei seitlich wandert. Genauso verhält sich eine Kamera, deren Drehachse hinter dem Objektiv liegt. Die Software kann die Ränder dann nicht zur Deckung bringen, und an den Nahtstellen erscheinen doppelte oder abgeschnittene Kanten.
Nodalpunkt und Eintrittspupille: der Drehpunkt ohne Versatz
Der Punkt, um den sich ohne Parallaxe drehen lässt, wird in der Praxis Nodalpunkt genannt. Optisch exakt ist es die Eintrittspupille, also das Bild der Blende, wie es von vorn durch die Frontlinse erscheint. Sie liegt bei den meisten Objektiven im vorderen Drittel der Baulänge, bei Weitwinkeln oft ganz nahe an der Frontlinse.
Bei Zoomobjektiven verschiebt sich der Nodalpunkt mit jeder Brennweite, weshalb Panoramen am besten mit fester Einstellung oder einer Festbrennweite entstehen. Für Fisheyes gilt eine Besonderheit: Ihre Eintrittspupille wandert bei großen Winkeln seitlich, ein einzelner Punkt passt dort nur näherungsweise. Für Aufnahmen mit wenigen Metern Abstand zum Vordergrund reicht diese Näherung aber fast immer aus.
Den Nodalpunkt mit Einstellschiene finden
Eine Einstellschiene mit Klemme oder ein Panoramakopf erlaubt es, die Kamera vor und zurück zu schieben, bis die Drehachse durch die Eintrittspupille läuft. Zum Einstellen werden zwei senkrechte Objekte hintereinander angepeilt, etwa ein Stab in einem Meter Entfernung vor einem Türrahmen in zehn Metern. Beide sollen im Sucher genau übereinander stehen.
Danach wird seitlich geschwenkt. Wandert der Stab gegenüber dem Rahmen entgegen der Schwenkrichtung, liegt die Drehachse hinter der Eintrittspupille, und die Kamera muss auf der Schiene zurück. Wandert er mit dem Schwenk, muss sie nach vorn. Ist der Nodalpunkt gefunden, wird die Position auf der Schienenskala notiert und gilt künftig für dieses Objektiv.
Überlappung, Belichtung und Fokus festlegen
Benachbarte Aufnahmen sollten sich um etwa 30 Prozent überdecken, damit die Software genügend Bildmerkmale zum Ausrichten findet. Hochformat ergibt bei einer einreihigen Serie mehr Bildhöhe. Ein Beispiel: Ein 24-mm-Objektiv deckt im Hochformat auf Vollformat etwa 53 Grad horizontal ab, bei 30 Prozent Überlappung entsteht alle 37 Grad ein Bild, für 360 Grad also zehn Aufnahmen.
Belichtung, Weißabgleich und Fokus werden vor der ersten Aufnahme manuell festgelegt, sonst entstehen Helligkeitssprünge und Farbwechsel zwischen den Bildern. Die Belichtung richtet sich nach dem hellsten Bereich, meist dem Himmel auf der Sonnenseite. Bei sehr hohem Kontrast hilft eine Belichtungsreihe pro Position, die vor dem Zusammensetzen zu einem HDR-Bild verrechnet wird.
Stitching und Projektionen: zylindrisch oder sphärisch
Beim Stitching erkennt die Software gemeinsame Punkte in den Überlappungen, berechnet Lage und Verzerrung jedes Bildes und projiziert alles auf eine gemeinsame Fläche. Die geradlinige Projektion hält gerade Linien gerade, funktioniert aber nur bis etwa 120 Grad. Darüber werden die Ränder extrem gedehnt, und das Bild wirkt unnatürlich in die Breite gezogen.
Die zylindrische Projektion wickelt das Bild auf einen gedachten Zylinder: Senkrechte bleiben senkrecht, waagerechte Linien außerhalb des Horizonts werden gebogen. Sie eignet sich besonders für breite einreihige Landschaften und Stadtansichten. Die sphärische Projektion erfasst 360 mal 180 Grad im Seitenverhältnis 2:1 und dient für Rundumansichten, die in Betrachtern interaktiv gedreht werden.
Panorama fotografieren mit dem Handy
Auch mit dem Telefon lässt sich ein Panorama fotografieren, die Schwenkautomatik setzt dabei während der Bewegung schmale Streifen zusammen. Entscheidend ist der Drehpunkt: Das Telefon sollte um seine eigene Kameralinse gedreht werden, nicht um die Schulter oder den Körper. Wer stattdessen mit ausgestrecktem Arm ein Panorama fotografieren will, erzeugt starke Parallaxe an nahen Objekten.
Gleichmäßiges, langsames Schwenken und eine waagerechte Haltung entlang der eingeblendeten Hilfslinie verhindern beim Handy-Panorama Treppenstufen am Horizont. Bewegte Motive wie Fußgänger erscheinen oft zerschnitten oder doppelt, weil sie sich während des Schwenks weiterbewegen. Mehrere Versuche bei möglichst ruhiger Szene oder manuelles Stitching einzelner Fotos am Rechner führen zu saubereren Ergebnissen.
Shift-Stitching als Alternative zum Schwenk
Wer ein Panorama fotografieren will, ohne die Kamera zu drehen, kann ein Shift-Objektiv nutzen. Die Kamera steht fest, das Objektiv wird nach links, in die Mitte und nach rechts verschoben. Bei 12 mm Verschiebung auf Kleinbild ergibt sich eine Bildbreite von 60 statt 36 mm, also ein Seitenverhältnis von 2,5:1.
Die Einzelbilder sind geradlinig und passen ohne Projektion aneinander, sodass das Stitching nur noch zusammenschiebt. Eine minimale Parallaxe bleibt, weil das Objektiv selbst wandert. Völlig frei davon ist die Variante, bei der das Objektiv fest auf dem Stativ sitzt und das Gehäuse dahinter verschoben wird, wie es manche Shift-Adapter ermöglichten.
