Wie die Belichtungszeit angegeben wird
Die Belichtungszeit gibt an, wie lange Licht auf Sensor oder Film fällt. Kameras nennen sie in Sekundenbruchteilen wie 1/250 s und lange Werte in ganzen Sekunden. Die übliche Reihe verdoppelt sich in vollen Stufen: 1/1.000, 1/500, 1/250, 1/125, 1/60, 1/30 und 1/15 s, jeder Schritt bringt doppelt so viel Licht wie der vorige.
Hinter den gerundeten Werten steckt eine exakte Halbierung: Aus 1/60 s wird bei einer Stufe nicht 1/120 s, sondern 1/125 s, weil die Skala aus historischen Gründen auf runde Zahlen gesetzt wurde. Für die Belichtung macht das keinen sichtbaren Unterschied. Moderne Kameras bieten zusätzlich Drittelstufen wie 1/80 s und 1/100 s an.
Kehrwertregel, Cropfaktor und Stabilisator
Gegen Verwackeln aus der Hand gilt die Kehrwertregel: Die Belichtungszeit sollte nicht länger sein als eins durch die Brennweite in Millimetern. Ein 200-mm-Objektiv am Vollformat verlangt also 1/200 s oder kürzer. Die Regel stammt aus der Filmzeit und setzt voraus, dass ein Abzug in üblicher Größe aus normalem Abstand betrachtet wird.
An kleineren Sensoren wird die Brennweite vorher mit dem Cropfaktor multipliziert. Ein 50-mm-Objektiv an Micro Four Thirds wirkt wie 100 mm, die Grenze liegt dann bei 1/100 s. Hochauflösende Sensoren mit 40 Megapixeln und mehr zeigen in voller Vergrößerung schon früher Unschärfe, weshalb dort die doppelte Kehrwertzeit ein sicherer Ausgangspunkt ist.
Bildstabilisatoren im Objektiv oder im Gehäuse gleichen Zittern aus und werden in Stufen angegeben. Fünf Stufen bedeuten rechnerisch eine 32-fach längere Zeit: Statt 1/200 s wären bei 200 mm theoretisch 1/6 s möglich. In der Praxis gelingen solche Werte nur bei einem Teil der Aufnahmen. Gegen eine Bewegung des Motivs hilft kein Stabilisator.
Bewegung einfrieren oder sichtbar machen
Ob eine Bewegung scharf erscheint, hängt davon ab, wie weit sich ihr Abbild während der Belichtung auf dem Sensor verschiebt. Ein Fußgänger quer zur Kamera braucht etwa 1/250 s, ein Radfahrer 1/500 s, ein fliegender Vogel oder ein Tennisball oft 1/2.000 s und kürzer. Läuft das Motiv auf die Kamera zu, genügt eine längere Zeit.
Umgekehrt kann Unschärfe gewollt sein. Beim Mitziehen folgt man einem Auto mit 1/30 bis 1/60 s, das Fahrzeug bleibt scharf, der Hintergrund verwischt zu waagerechten Streifen. Wasserfälle wirken ab etwa einer halben Sekunde weich. Für solche Aufnahmen bei Tageslicht reicht die kleinste Blende oft nicht aus, dann wird ein ND-Filter vor das Objektiv geschraubt.
Mechanischer und elektronischer Verschluss
Der klassische Schlitzverschluss besteht aus zwei Vorhängen, die nacheinander vor dem Sensor ablaufen. Bei kurzen Zeiten öffnet sich nur ein schmaler Spalt, der über das Bildfeld wandert. Die Blitzsynchronzeit, meist zwischen 1/160 und 1/250 s, ist die kürzeste Zeit, bei der beide Vorhänge das Bildfeld für einen Moment vollständig freigeben.
Ein elektronischer Verschluss liest den Sensor zeilenweise aus und ersetzt so die Mechanik. Er arbeitet lautlos, verschleißfrei und erlaubt bei manchen Modellen Zeiten bis 1/32.000 s. Ein Zentralverschluss im Objektiv, wie ihn viele Mittelformatsysteme nutzen, öffnet dagegen von der Mitte aus und synchronisiert Blitze bei jeder Zeit. Jeder Verschluss hat damit sein eigenes Einsatzfeld.
Rolling Shutter: wenn die Belichtungszeit zeilenweise läuft
Weil die meisten Sensoren nicht alle Zeilen gleichzeitig auslesen, entsteht beim elektronischen Auslösen eine Zeitverschiebung zwischen oberem und unterem Bildrand. Dauert das Auslesen 1/30 s, wandert ein schnell bewegtes Objekt in dieser Zeit ein Stück weiter. Propeller verbiegen sich, Golfschläger werden krumm, und senkrechte Gebäude kippen beim Schwenken schräg zur Seite.
Selbst eine sehr kurze Belichtungszeit schützt davor nicht, entscheidend ist allein die Auslesegeschwindigkeit des Sensors. Stacked-Sensoren verkürzen sie deutlich, Global-Shutter-Sensoren belichten alle Pixel gleichzeitig und zeigen den Effekt nicht. Unter LED- und Leuchtstofflicht erzeugt die zeilenweise Auslesung außerdem Streifen. Wer schnelle Motive mit einfachem Sensor fotografiert, wählt daher den mechanischen Verschluss.
Bulb und Langzeitbelichtung am Stativ
Die längste fest einstellbare Zeit liegt meist bei 30 s. Darüber hinaus öffnet die Einstellung B, kurz für Bulb, den Verschluss, solange der Auslöser gedrückt bleibt. Ein Kabel- oder Funkauslöser mit Feststellfunktion hält ihn auch minutenlang offen. Viele spiegellose Modelle bieten zusätzlich Time, bei dem ein erster Druck öffnet und ein zweiter schließt.
Für eine Langzeitaufnahme am Stativ empfiehlt sich eine feste Reihenfolge: Bildstabilisator ausschalten, Fernauslöser oder Selbstauslöser nutzen, Spiegelvorauslösung beziehungsweise elektronischen ersten Vorhang aktivieren und die Rauschunterdrückung für Langzeitbelichtungen einschalten. Diese nimmt nach der eigentlichen Belichtungszeit ein gleich langes Dunkelbild auf und zieht es ab, eine fünfminütige Aufnahme dauert dann zehn Minuten.
