Zweiäugige Spiegelreflexkamera: Aufbau mit zwei Objektiven
Eine zweiäugige Spiegelreflexkamera trägt zwei Objektive übereinander: Das obere dient allein dem Betrachten, das untere belichtet den Film. Das 3D-Modell weiter unten zeigt eine Kamera dieser Bauart nach dem Vorbild der Rolleiflex 2.8F in ihren Einzelteilen. Ein Klick auf eine Baugruppe holt sie nah heran und blendet ihre Details samt Erklärung ein.
Die 2.8F wird seit langem nicht mehr neu gebaut, ist gebraucht aber weit verbreitet und bei Fotografen bis heute geschätzt. Sie wiegt rund 1,25 Kilogramm und misst etwa 147 × 109 × 108 Millimeter, ist also beinahe ein Würfel. Diese Form folgt direkt aus dem Aufbau, denn über dem Filmweg muss ein ganzer zweiter Lichtweg Platz finden.
Die zweiäugige Kamera in zwölf Teilen
Alle zwölf Baugruppen mit ihren Details als Text lesen
- Das Aufnahmeobjektiv
Das untere Objektiv belichtet den Film. Bei diesem Modell ist es ein Planar 80 mm f/2,8 mit fünf Linsen in vier Gruppen. In seinem Gehäuse sitzt der Zentralverschluss mit Zeiten von 1 bis 1/500 Sekunde. Zwei Rädchen links und rechts stellen Zeit und Blende ein, ein Fenster darüber zeigt beide Werte.
Brennweite: 80 mm · Lichtstärke: f/2,8 · Verschluss: 1 bis 1/500 s, B
- Frontlinse: Erste Linse des Planar, vergütet.
- Zeitenrad: Stellt die Belichtungszeit des Zentralverschlusses.
- Blendenrad: Stellt die Blende von f/2,8 bis f/22.
- Anzeigefenster: Zeigt Zeit und Blende von oben ablesbar.
- Verschlussgehäuse: Der Zentralverschluss blitzt bei allen Zeiten synchron.
- Das Sucherobjektiv
Das obere Objektiv dient nur zum Sehen. Es hat dieselbe Brennweite wie das Aufnahmeobjektiv und dieselbe Lichtstärke, hier ein Heidosmat 80 mm f/2,8. Es zeigt das Bild immer bei offener Blende hell auf der Mattscheibe, auch während unten abgeblendet ist.
Brennweite: 80 mm · Lichtstärke: f/2,8 · Aufgabe: nur Sucherbild
- Frontlinse: Lässt viel Licht für ein helles Sucherbild durch.
- Fassung: Sitzt fest auf demselben Träger wie das Aufnahmeobjektiv.
- Der Objektivträger
Beide Objektive sitzen auf einer gemeinsamen Platte. Der Einstellknopf schiebt sie zusammen nach vorn oder hinten. So ist das Bild auf der Mattscheibe genau dann scharf, wenn auch der Film scharf belichtet wird. Die Nahgrenze liegt bei 0,9 Metern.
Nahgrenze: 0,9 m · Bewegung: beide Objektive gemeinsam
- Trägerplatte: Bewegt sich beim Scharfstellen als Ganzes.
- Schildleiste: Blende zwischen den Objektiven, darunter die Messzelle.
- Der Umlenkspiegel
Hinter dem Sucherobjektiv steht ein Spiegel im 45-Grad-Winkel. Er lenkt das Bild nach oben auf die Mattscheibe. Anders als bei einer einäugigen Spiegelreflexkamera bleibt er fest stehen: Der Sucher wird beim Auslösen nicht dunkel.
Winkel: 45 Grad · Bewegung: feststehend
- Spiegelfläche: Wirft das Bild nach oben; das Sucherbild bleibt beim Auslösen sichtbar.
- Spiegelrahmen: Hält den Spiegel im festen Winkel.
- Die Mattscheibe
Auf der Mattscheibe erscheint das Bild im Format 6 × 6, aufrecht, aber seitenverkehrt: Wer die Kamera nach links schwenkt, sieht das Motiv nach rechts wandern. Eine Fresnellinse darunter hellt die Ecken auf.
Bild: aufrecht, seitenverkehrt · Format: quadratisch
- Mattierte Fläche: Hier wird das Bild beurteilt und scharf gestellt.
- Fresnelringe: Verteilen das Licht gleichmäßig bis in die Ecken.
- Der Lichtschachtsucher
Der faltbare Schacht schirmt die Mattscheibe gegen Licht von oben ab. Fotografiert wird meist von oben auf Bauchhöhe. Eine ausklappbare Lupe vergrößert die Bildmitte für die genaue Scharfstellung.
Haltung: Bauchhöhe · Hilfe: Klapplupe
- Einstelllupe: Vergrößert die Bildmitte zum präzisen Fokussieren.
- Schachtwände: Klappen beim Schließen flach zusammen.
- Die Rückwand
Die Rückwand klappt nach unten auf. Eine Andruckplatte hält den Film plan im Bildfenster. Ein kleines Fenster zeigt die Bildnummer auf dem Schutzpapier, ein Riegel oben verschließt die Rückwand lichtdicht.
Bildfenster: 6 × 6 cm · Öffnung: nach unten
- Andruckplatte: Drückt den Film flach in die Bildebene.
- Bildfenster: Rahmen für das quadratische Negativ.
- Sichtfenster: Kontrollfenster auf das Schutzpapier.
- Verschlussriegel: Hält die Rückwand lichtdicht geschlossen.
- Der Rollfilm
Die Kamera nimmt 120er Rollfilm für zwölf Bilder im Format 6 × 6. Der Film läuft von der Vorratsspule unten nach oben über das Bildfenster auf die Aufwickelspule. Ein Schutzpapier hält Licht vom Film fern.
Filmtyp: 120 · Bilder: 12 im Format 6 × 6
- Vorratsspule: Hier sitzt der unbelichtete Film.
- Aufwickelspule: Nimmt den belichteten Film auf.
- Rollfilm: Liegt im Bildfenster hinter dem Aufnahmeobjektiv.
- Schutzpapier: Läuft mit dem Film und schützt ihn vor Licht.
- Die Kurbel
Eine Kurbel auf der rechten Seite transportiert den Film um genau ein Bild weiter und spannt dabei den Verschluss. Das Zählwerk zeigt, wie viele Aufnahmen gemacht sind.
Funktion: Transport und Spannen
- Kurbelarm: Eine Umdrehung vor, ein Stück zurück.
- Griff: Drehknopf am Kurbelende.
- Bildzählwerk: Zählt von 1 bis 12.
- Der Einstellknopf
Der große Knopf links bewegt den Objektivträger. Auf seiner Stirnseite ist eine Schärfentiefeskala, an der sich ablesen lässt, welcher Bereich bei einer Blende scharf wird.
Seite: links · Skala: Schärfentiefe
- Knopf: Geriffelt für sicheren Griff.
- Schärfentiefeskala: Zeigt den scharfen Bereich je Blende.
- Der Belichtungsmesser
Über dem Sucherobjektiv liegt eine Selenzelle. Sie erzeugt bei Licht selbst Strom und braucht keine Batterie. Eine Nadel auf der Kamera zeigt den Messwert an, Zeit und Blende werden danach von Hand eingestellt.
Art: Selenzelle · Batterie: nicht nötig
- Selenzelle: Erzeugt aus Licht einen kleinen Strom.
- Anzeigenadel: Zeigt den Messwert für die Belichtung.
- Das Gehäuse
Das Gehäuse ist ein hoher Kasten von etwa 109 × 147 × 108 Millimetern mit Belederung. Mit rund 1,25 Kilogramm ist die Kamera schwer, liegt aber ruhig in beiden Händen vor dem Bauch.
Maße: etwa 109 × 147 × 108 mm · Gewicht: etwa 1,25 kg
- Belederung: Griffiger Bezug auf allen Seiten.
- Trageöse: Für den Riemen um den Hals.
- Stativgewinde: Am Boden für Stativ und Schnellkupplung.
Sucherobjektiv, Spiegel und Mattscheibe
Oben sitzt das Sucherobjektiv Heidosmat mit 80 Millimetern Brennweite und Lichtstärke 2,8. Hinter ihm lenkt ein fest eingebauter Spiegel im Winkel von 45 Grad das Licht nach oben auf eine Mattscheibe. Dieser Spiegel bewegt sich nie, deshalb bleibt das Sucherbild auch während der Belichtung sichtbar, ohne Dunkelphase und ohne jeden Spiegelschlag.
Auf der Mattscheibe erscheint das Bild aufrecht, aber seitenverkehrt. Bewegt sich ein Motiv nach links, wandert es im Sucher nach rechts, was anfangs ungewohnt wirkt. Betrachtet wird der Lichtschachtsucher von oben, die Kamera ruht dabei auf Hüfthöhe. Eine ausklappbare Lupe vergrößert die Bildmitte, damit sich die Schärfe auch bei feinen Details sicher beurteilen lässt.
Aufnahmeobjektiv und Zentralverschluss
Das untere Objektiv ist ein Carl Zeiss Planar 80 mm mit Lichtstärke 2,8, aufgebaut aus fünf Linsen in vier Gruppen. Es belichtet den Film und trägt in seinem Inneren den Zentralverschluss Synchro-Compur. Dessen Zeiten reichen von einer Sekunde bis 1/500 Sekunde, hinzu kommt die Einstellung B für Langzeitbelichtungen bei wenig Licht oder in der Nacht.
Ein Zentralverschluss besteht aus dünnen Lamellen zwischen den Linsen, die sich sternförmig öffnen und schließen. Weil er die gesamte Bildfläche auf einmal freigibt, synchronisiert er mit einem Blitz bei jeder Zeit, auch bei 1/500 Sekunde. Schlitzverschlüsse schaffen das nur bis zu einer deutlich längeren Zeit. Zudem läuft er leise und nahezu ohne Erschütterung ab.
Gemeinsame Scharfstellung und Parallaxe
Beide Objektive sitzen auf einer gemeinsamen Objektivstandarte. Ein Drehknopf an der Seite schiebt diese Platte vor oder zurück, sodass Sucher- und Aufnahmeobjektiv immer auf dieselbe Entfernung eingestellt sind. Was auf der Mattscheibe scharf erscheint, ist also auch auf dem Film scharf. Die kürzeste Einstellentfernung liegt bei 0,9 Metern, was für Porträts gut genügt.
Weil das Sucherobjektiv einige Zentimeter über dem Aufnahmeobjektiv liegt, sehen beide das Motiv aus leicht verschiedenen Positionen. Bei großen Entfernungen spielt dieser Versatz kaum eine Rolle. Im Nahbereich zeigt eine zweiäugige Spiegelreflexkamera jedoch einen etwas anderen Ausschnitt, als später auf dem Negativ landet, weshalb Porträts am oberen Rand etwas Luft brauchen.
Rollfilm, Filmweg und Kurbel
Belichtet wird Rollfilm vom Typ 120, der zwölf quadratische Aufnahmen im Format 6 × 6 Zentimeter liefert. Der Film läuft von einer Spule am Boden der Kamera nach oben über die Bildbühne und weiter zur Aufwickelspule. Eine Andruckplatte in der Rückwand hält ihn plan, damit die Schärfe über die gesamte Fläche des Negativs gleichmäßig stimmt.
Transportiert wird der Rollfilm mit einer Kurbel an der rechten Seite. Eine Umdrehung nach vorn und wieder zurück schiebt den Film um genau ein Bild weiter und spannt dabei zugleich den Verschluss. Ein Zählwerk zeigt die Nummer der nächsten Aufnahme an. Doppelbelichtungen verhindert eine Sperre, die sich erst nach dem Transport wieder löst.
Zweiäugige Spiegelreflexkamera: Belichtungsmesser und Bedienung
In die Vorderseite der 2.8F ist ein Selen-Belichtungsmesser eingebaut. Selenzellen erzeugen ihren Strom selbst aus dem einfallenden Licht, sodass eine zweiäugige Spiegelreflexkamera dieser Art ganz ohne Batterie auskommt. Ein Zeiger auf der Deckplatte zeigt den gemessenen Wert, über zwei Räder links und rechts neben den Objektiven werden Blende und Zeit eingestellt.
Die Bedienung folgt einem festen Ablauf: Film transportieren, Belichtung messen, Zeit und Blende wählen, auf der Mattscheibe scharf stellen und auslösen. Beim Aufbau dieser Kamera liegen alle Elemente so, dass beide Hände sie erreichen, während der Blick von oben in den Schacht fällt und die Kamera ruhig vor dem Körper liegt.
Kaum eine Mittelformatkamera gilt als so robust wie eine zweiäugige Spiegelreflexkamera. Da kein Spiegel klappt und das Aufnahmeobjektiv fest verbaut ist, gibt es nur wenige bewegliche Teile, die mit den Jahren verschleißen. In der Explosionsansicht sind die zwei Lichtwege klar getrennt erkennbar, der obere zum Auge, der untere zum Rollfilm hinter der Andruckplatte.
