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Lochkamera basteln: Lochblende berechnen und mit Fotopapier belichten

Wie ein winziges Loch ein Bild zeichnet, wie groß es bei welcher Kameratiefe sein sollte und wie lange Fotopapier im Sonnenlicht belichtet werden muss.

Selbstgebaute schwarze Schachtelkamera mit Klebestreifen-Verschluss auf einem Zaunpfahl im Morgenlicht (mit AI erstelltes Bild) AI
Mit AI erstelltes Bild

Wie eine Lochkamera ohne Objektiv ein Bild erzeugt

Eine Lochkamera ist ein lichtdichter Kasten mit einem winzigen Loch in der Vorderwand. Von jedem Punkt des Motivs fällt durch dieses Loch nur ein schmales Lichtbündel auf die gegenüberliegende Rückwand, so entsteht dort ein kopfstehendes, seitenverkehrtes Bild. Eine Linse ist dafür nicht nötig, das Prinzip war als Camera obscura schon Jahrhunderte vor der Fotografie bekannt.

Weil kein Objektiv fokussieren muss, ist das Bild über den gesamten Entfernungsbereich gleichmäßig scharf, allerdings nie so scharf wie mit Glas. Den Abstand zwischen Loch und Bildebene nennt man wie beim Objektiv Brennweite. Sie bestimmt den Bildwinkel: Eine Schachtel mit 100 mm Tiefe und einem Blatt 9 × 13 cm zeigt rund 77 Grad diagonal.

Die optimale Lochblende berechnen

Die günstigste Größe der Lochblende ergibt sich aus einem Kompromiss zwischen geometrischer Unschärfe und Beugung. Bewährt hat sich die auf dem Rayleigh-Kriterium beruhende Formel d = 1,9 · √(f · λ), wobei für grünes Licht λ = 0,00055 mm eingesetzt wird. Alle Längen werden dabei in Millimetern gerechnet, das Ergebnis ist der Lochdurchmesser.

Ein Rechenbeispiel für eine Schachtel mit 100 mm Tiefe: 100 mal 0,00055 ergibt 0,055, die Wurzel daraus ist rund 0,2345, mal 1,9 ergibt rund 0,45 mm. Für 50 mm Tiefe liegt der optimale Durchmesser bei etwa 0,32 mm, für 150 mm bei etwa 0,55 mm. Wer die Lochblende zu groß sticht, erhält ein weiches, kontrastarmes Bild.

Blendenzahl und Belichtungszeit der Lochkamera

Die Blendenzahl berechnet sich wie bei jedem Objektiv als Brennweite geteilt durch Öffnungsdurchmesser. Die Schachtel mit 100 mm Tiefe und 0,45 mm Loch arbeitet also mit etwa f/220, eine Dose mit 50 mm Tiefe und 0,32 mm mit f/160. Typische Werte einer Lochkamera liegen zwischen f/150 und f/300, also weit jenseits jeder Objektivskala.

Für die Belichtungszeit hilft die Sonne-16-Regel als Ausgangspunkt. Ein Film mit ISO 100 braucht bei Sonne 1/100 Sekunde bei Blende 16. Der Schritt von f/16 auf f/220 entspricht dem Faktor (220/16)², also rund 190, die Zeit wächst damit auf knapp zwei Sekunden. Wegen des Schwarzschild-Effekts kommt bei langen Zeiten meist ein Zuschlag hinzu.

Eine Lochkamera aus Dose oder Schachtel basteln

Zum Basteln einer Lochkamera eignen sich eine Blechdose, eine Schuhschachtel oder eine leere Filmdose für Rollfilm. Das Innere wird matt schwarz gestrichen, damit kein Streulicht von den Innenwänden den Kontrast des Bildes mindert. In die Vorderwand kommt ein Fenster von etwa einem Zentimeter, hinter das später ein Stück dünnes Blech mit dem eigentlichen Loch geklebt wird.

Das Loch selbst entsteht in einem Stück Aluminium aus einer Getränkedose oder in Messingfolie. Eine feine Nähnadel wird unter leichtem Drehen durchgestochen, der Grat auf der Rückseite mit feinem Schleifpapier entfernt und der Vorgang wiederholt, bis die Öffnung rund ist. Als Verschluss genügt ein Streifen schwarzes Klebeband, der vor der Lochblende hochgeklappt wird.

Mit Fotopapier belichten und entwickeln

Fotopapier wird bei rotem Dunkelkammerlicht mit der Schichtseite zum Loch an der Rückwand befestigt, Schwarzweißpapier reagiert auf Rot kaum. Da es viel unempfindlicher als Film ist, dauern Belichtungen bei Sonnenschein meist eine bis mehrere Minuten. Die Kamera muss währenddessen absolut ruhig stehen, am besten mit einem Stein beschwert auf einer Mauer oder einem Pfosten.

Entwickelt wird das Blatt in den üblichen Schalen mit Papierentwickler, Stoppbad und Fixierer. Das Ergebnis ist ein Papiernegativ, auf dem der Himmel schwarz erscheint. Um ein Positiv zu erhalten, legt man es mit der Schicht auf ein frisches Blatt, beschwert beide mit einer Glasscheibe und belichtet kurz mit einer Lampe. Alternativ wird das Negativ gescannt und invertiert.

Lochkamera und Sonnenfinsternis: Projektion statt Blick

Bei einer Sonnenfinsternis wird oft ein Lochprojektor empfohlen, und der ist von einer Lochkamera zu unterscheiden. Durch ein kleines Loch in einem Karton fällt das Sonnenlicht auf einen zweiten Karton und zeichnet dort die teilweise verdeckte Sonnenscheibe. Man blickt dabei ausschließlich auf die Projektion, mit dem Rücken zur Sonne, niemals durch das Loch.

Die Größe des projizierten Sonnenbildes hängt nur vom Abstand ab. Bei einem Meter zwischen Loch und Schirm misst die Sonnenscheibe etwa 9 mm, bei zwei Metern rund 18 mm, weil die Sonne unter einem Winkel von gut einem halben Grad erscheint. Zum Basteln reichen zwei Pappen, eine Nadel und ein heller Untergrund für das Bild.

Fragen und Antworten

Häufige Fragen

Warum wird das Bild bei einem größeren Loch nicht einfach heller und schärfer?

Ein größeres Loch lässt zwar mehr Licht durch, jeder Lichtpunkt des Motivs wird aber als größerer Fleck abgebildet, das Bild wird unscharf. Ein zu kleines Loch beugt das Licht dagegen so stark, dass ebenfalls Unschärfe entsteht. Die Formel für die optimale Lochgröße beschreibt genau den Punkt, an dem beide Effekte sich die Waage halten.

Kann man Kleinbildfilm in einer selbstgebauten Lochkamera verwenden?

Kleinbildfilm ist deutlich empfindlicher als Fotopapier und verkürzt die Belichtung auf Sekunden. Allerdings muss der Film lichtdicht transportiert werden, was in einer Schachtel schwierig ist. Einfacher ist es, eine alte Kamera mit abgenommenem Objektiv zu nutzen und eine Lochblende auf einem Gehäusedeckel zu befestigen, sodass der vorhandene Filmtransport erhalten bleibt.

Wie lässt sich der Durchmesser eines selbst gestochenen Lochs messen?

Eine einfache Methode ist, das Blech mit hoher Auflösung auf einem Flachbettscanner zu scannen und den Lochdurchmesser in einem Bildprogramm über die Pixelzahl auszurechnen. Bei 2.400 dpi entspricht ein Pixel rund 0,01 mm. Alternativ hilft eine Fadenzähllupe mit Skala, die Ablesegenauigkeit liegt dann bei etwa einem Zwanzigstel Millimeter, was für die Praxis genügt.

Was ist Solargrafie?

Bei der Solargrafie bleibt ein Blatt Fotopapier in einer wetterfest verpackten Dose mit Lochblende über Wochen oder Monate an einem festen Ort. Die Sonne zeichnet dabei ihre Tagesbögen als helle Linien auf das Papier. Das Bild entsteht ohne Entwicklung direkt als Schwärzung, wird anschließend gescannt und digital invertiert, weil ein Fixierbad das schwache Bild weitgehend auslöschen würde.

Welches Fotopapier eignet sich für eine Lochkamera?

Geeignet ist normales Schwarzweißpapier mit Kunststoffbeschichtung, das schnell entwickelt, wenig Wasser aufnimmt und flach trocknet. Gradationswandelpapier wirkt ohne Filter meist mit mittlerer Härte, was den hohen Kontrast der Lochkamera etwas mildert. Barytpapier funktioniert ebenfalls, wellt sich aber stärker und braucht nach dem Fixieren deutlich längere Wässerungszeiten, bevor es an der Luft trocknen darf.

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Redaktion zoerk.de · veröffentlicht am 25. Juli 2026 · Fehler melden · Arbeitsweise